Eigentlich war's ja ein sehr netter Abend - (fast) ganz so, wie's geplant war.
Treffen am Rischarts am Marienplatz, dann weiter zum Joe Peña's in der Buttermelcherstraße. Leckeres mexikanischen Essen und ein paar Cocktails und nette Gespräche mit Freunden. Irgendwann war's dann kurz vor 22 Uhr und die Leute, die den Tisch nach uns für diesen Zeitpunkt reserviert hatten, drückten langsam rein. Da blieb uns nur zu zahlen und weiter zur Schrannenhalle zu tingeln.
Auch da war's ganz nett, Zeit genug für ein paar philosophische Gespräche über die griechische Antike, Kulturen, Sitten und Gebräuche und über Weltwirtschaftspolitik .... mit kleinen Unterbrechungen durch einen endfünfziger Fallschirmjäger, der von seinen Heldentaten berichten musste.
Alles in allem soweit alles bingo.
Da uns noch ein wenig der Hunger plagte, haben wir noch fix einen Umweg über den Hackfleisch-Semmel-König gemacht, um uns mit ein paar Futteralien für die Heimfahrt einzudecken.
Von da an sank die Laune schlagartig. ... Denn während ich brav meinen Hot Brownie mit Soft Ice schlabberte, meinte ein total besoffener Mitt-Fuffziger, sich unmittelbar hinter/über mir rücklings die Rolltreppe runterwerfen zu müssen.
JEDES kleine Kind weiß, dass man auf der Rolltreppe nicht fallen soll. Als wär das nicht genug, meinen seine beiden nachlässigen Begleiter, dem gefallenen Fußballjünger auf die Beine helfen zu müssen ... und dessen beim Sturz entstandene, stark blutende Platzwunde dabei an meiner Jacke abzuwischen ... JIPPIEH. Genau SO hab ich mir den Ausklang des Abends vorgestellt.
Nachdem seine beiden völlig vertrottelten, wahrscheinlich selbst auch total besoffenen Begleiter nicht mehr auf die Beine stellen konnten, als dem gefallenen Lederjünger mit diesem total schwulen "FC Bayern München"-"Den hab ich auch 'nem Puppenhaus geklaut"-Köfferchen beim Bluten zuzuschauen, erbarmte sich Vera, dem Havarierten zumindest mit'nem Papiertaschentuch einen improvisierten Druckverband zukommen zu lassen. Sie hat's dann zusammen mit ihren Begleitern gerade noch in ihre (aus vernünftiger Sicht betrachtete) letzte S-Bahn erwischt.
Ich musste noch eine Weile auf meine Bahn warten, doch als der geplante Abfahrtstermin von 0:57 Uhr sich näherte, meinten einige halblobotomierte Spacken, es wäre lustig, einen schottischen Schwerttanz oder ähnliches auf dem Sicherheitsstreifen vollführen zu müssen, was die Bahnhofsvorsteherin dazu veranlasste, meine S4 solange nicht einfahren zu lassen, bis sie davon ausgehen konnte, dass niemand vor den einfahrenden Zug fallen oder springen würde. Nach 15-minütiger Verspätung fuhr die S4 dann doch noch ein und brachte mich ohne weitere Vorkommnisse nach Hause.
Und wer wäscht jetzt das FCB-Blut aus meiner Alemannen-Jack?