Sorry, liebe Amerikaner, dass Ihr schon wieder herhalten müsst, aber ich habe kein deutsches/europäisches Pendant dazu gefunden. Aber die Vereinigten Staaten von Amerika titulieren sich ja gerne als "the land of the Free". Es ist nur immer wieder seltsam, wie unfrei die Amerikaner sind. ein schönes Beispiel ist der Kommentar von Keith Olbermann von MSNBCs "Countdown" vom 10. Nov. 2008 zum Thema "Proposition 8" mit dem Titel "This is about the human heart", auf den ich heute Abend aufmerksam gemacht wurde.
Keith appellierte an die Toleranz und Nächstenliebe der kalifornischen Wählerschaft, gegen die "Propostion 8" zu stimmen, die gleichgeschlechtliche Ehen verbieten soll - und es jetz auch tut. Und ich finde, er führt vortreffliche Argumente an, warum man dagegen stimmen sollte. Interessant - wenn auch aus meiner Sicht völlig verbohrt - ist die Website "protectmarriage.com", auf der verschreckte Fundamentalisten Angst um ihre Ehen haben ... obwohl DEREN Ehen gar nicht zur Debatte stehen. Verblüffend finde ich ihr Argument, dass gleichgeschlechtlichte Ehe "in den öffentlichen Schulen gelehrt wird". Sowas ist sicher extrem schlimm, mindestens genauso schlimm, wenn nicht schlimmer als die Evolutionstheorie!! Für die Anhänger von "protectmarriage.com" scheint Information von sich aus gefährlich zu sein. Es ist ein Wunder, dass sie ihre Kinder überhaupt auf eine öffentliche Schule gehen lassen. Es ist ja nicht abzusehen, welchen gefährlichen Informationen sie noch ausgesetzt werden könnten.
Weitaus interessanter dagegen ist die Website "Vote NO on Prop 8", die mehr mit Fakten als mit religiös-verblendetem Aberglauben glänzt. Selbst Nancy Pelosi, die das Amt des "Speaker" im Repräsentantenhaus innehält, zeigte sich über den Ausgang der Abstimmung erschüttert. Dieser ist umso erschreckender, da es sich hier um Kalifornien handelt, das eigentlich zu den toleranten Staaten gezählt wird. Obwohl ich von Freunden, die erst kürzlich für eine Weile dort waren, hörte, dass die Kalifornier, die schon als tolerant bezeichnet würden, nach deutschen Maßstäben immer noch erzkonservativ einzustufen wären.
Wie sieht die Situation dann wohl im "Bible Belt" aus? Wenn man in Betracht zieht, dass in vielen US-Staaten noch Gesetze Gültigkeit haben (auch wenn sie wahrscheinlich keine Anwendung mehr finden), die aus dem 18. Jahrhundert stammen, stimmt mich das sehr bedenklich. Öffentliche Verbrennungen sind aber wohl nicht mehr an der Tagesordnung.
Aber genug über die USA gelästert. Viel besser sieht es in den meisten europäischen Staaten ja auch nicht aus. Ich denke, es bedarf noch diverser, weiterer Keith Olbermanns, bis sich die Situation zum Guten wendet.