Auf dem Weg zur Arbeit saß ich in Hörweite dreier ... nun, Damen trifft es nicht ganz ... Dorffrauen aus der Ecke um Mammendorf. Sie waren alle nicht mehr ganz taufrisch ... auch aus meiner Perspektive heraus und ich bin ja nicht wirklich mehr ein echter Teenager.
Wie soll ich es beschreiben? Ihr Gespräch war nicht direkt eine Bereicherung, eher ... anstrengend, um es einmal diplomatisch auszudrücken.
Die Hauptrednerin war in etwa so groß wie ich, 15+ Jahre älter, Bariton, in etwa doppelt so schwer wie ich und hatte Zucker, Gicht und litt etwas unter ihrer vergangenen Schönheit (in der Hinsicht konnte ich nicht nachvollziehen, wovon sie redete). Die Zweite war eine Blondine, die sich eher diplomatisch verhielt und sich als geübte Zuhörerin herauskristallisierte. Sie hatte entweder ein Fläschchen Baldrian intus oder hatte alle Seminare für Tiefenpsychologie an der VHS besucht, so geduldig wie sie das Gespräch hinnahm. Die Dritte schoss den Vogel ab. Sie macht sehr den Eindruck, als hätte sie eher ein Problem OHNE Alkohol als MIT und kommentierte JEDES Wort, dass Nr. 1 von sich gab, mit zustimmenden Ausschmückungen ... und das mit einer Stimme, die sich nach vier Dutzend kubanischen Zigarren anhörte.
Das Hauptthema war "AST", in Worten "Anrufsammeltaxi", und die Erlebnisse damit.
Es ist kaum zu glauben, wieviel drei Menschen in 24 Minuten S-Bahn-Fahrt von sich und ihrem Seelengerüst preisgeben können. Ein Blickwechsel mit der Frau neben mir bestätigte mir dann glücklicherweise, dass ich nicht der einzige im Zug war, der 1. genervt und 2. ebenso verblüfft war, wie man ein solches Thema derart erschöpfend breitlabern konnte.
Ich glaube, ich schreibe mich an der Fern-Uni für das Fach Psychologie ein und werde dann S-Bahn-Psychologe. Ansonsten könnte ich es verstehen - wenn auch nicht gutheißen - dass so der/die eine oder andere tatsächlich mal zu(m/r) S-Bahn-Amokläufer(in) werden könnte.