
Als Exil-Öcher in Feindesland

hatte ich heute erstmals die Gelegenheit, das Team meiner alten Wahlheimat Aachen live und in Farbe zu erleben, als um 15.30 Uhr der 5. Spieltag für die
Alemannen in der Arroganz-Arena in München-Fröttmaning angepfiffen wurde. Als wir uns der
Hüpfburg näherten, mußten wir - einige Freunde, die extra zum Spiel aus Aachen angereist waren und ich - zugeben, dass man sich schon ein sehr nettes Stadion hingestellt hatte. Der Eindruck wurde später, als wir dann vom Mittelrang auf's Spielfeld schauen konnten, nochmal bestätigt.
Stephan Lehmann, eigentlich ein sehr erfolgreicher Moderator bei
Antenne Bayern, der sich scheinbar als Stadionsprecher noch ein paar Cent dazuverdient, hat versucht, die Bayern-Fans mal etwas aufzuheizen, doch der verschlafene Haufen hat es kaum geschafft, sich mal aus den Sesseln zu erheben. Ich mußte mich belehren lassen, dass Stadionsprecher generell sehr parteiisch für die heimische Mannschaft sprechen, etwas, was mir zugegebenermaßen etwas sauer aufgestossen ist. Die Gäste - Fans wie auch die Mannschaft - fanden kaum Beachtung. Zudem wurde beim Vergleich der beiden Mannschaften tunlichst unterschlagen, dass die Alemannia den Bayern 2004 im DFB-Pokal zu einer vorzeitigen Ruhepause verholfen haben.
Auffällig war relativ bald, dass Schiri Markus Schmidt scheinbar ein FCB-Fan war, denn während jede Berühung eines Öchers direkt geahndet wurde (3 gelbe Karten), wurden die Münchner Aktionen kaum moniert, wenn auch die Bayern 2 gelbe Karten mit in die Kabine nehmen mußten. Im Ganzen betrachtet war es jedoch ein recht kultiviertes Spiel ohne böse Feindseeligkeiten oder grobe Verletzungen, wenn auch der Öcher Mannschaftsarzt dreimal auf's Feld mußte, um Spielern Hilfe zu leisten. Die 1. Bundesliga ist halt kein Kindergeburtstag.
Ebenso auffällig war die stoische Ruhe, mit der sich die Bayern-Fans vom Spiel berieseln ließen. Insgesamt hat man sie in den 91 Minuten vielleicht dreimal gehört - und das in einem Spiel, in dem die Bayern zwei Tore geschossen haben. Die Öcher Kurve mit etwas mehr als 7.000 Mannen und Frauen hat dagegen fast über die gesamte Spielzeit die Geräusch- und Gesangskulisse des mit 69.000 Plätzen komplett ausverkauften Stadions beherrscht. Die Öcher wissen halt, wie man sein Team unterstützt und wie man feiert.
Sehr positiv ist mir das Verhältnis zwischen den Fans aufgefallen. Die einzigen Zwischenfälle, von denen ich gehört bzw. die ich gesehen habe, waren zwei Bierbecher (natürlich diese Plastikdinger), die von höheren Rängen heruntergeworfen wurden. Die Öcher Fans sind eigentlich durchweg sehr, sehr freundlich von den Münchnern aufgenommen worden und wir hatten vor und auch später nach dem Spiel am Chinesischen Turm im Englischen Garten nette Gespräche mit den Bayern-Fans. Und auch Sympathiebekundungen von den Löwen waren aus allen Ecken zu hören. Den ganzen Abend beherrschte schwarz-gelb das Stadtbild (vielleicht auch ein wenig deshalb, weil die Farben der Stadt München auch schwarz-gelb sind
).
Es war alles in Allem ein Superspektakel in einem sehr schönen und eindrucksvollen Stadion mit einem Haufen netter Leute. Allein der Schiri und der Spielausgang waren ein Wermutstropfen für den Tag. Aber eins ist klar: der 1. FC Bayern München muss sich warm anziehen, wenn er zum Rückspiel in den Tivoli kommt.