Heute hat unsere Frau Bundeskanzlerin einen Videopodcast (
Abschrift in PDF) veröffentlicht. Das [hört/liest] sich ja alles ganz nett [an].
Aber mangelt es uns wirklich an Überwachungskameras?
Nun gut, für die Erfassung von internationalen Terroristen mögen sie ja hilfreich sein, wobei ich da immer noch starke Zweifel an der heutigen Leistungsfähigkeit der Bilderkennungssoftware hege, die dahinter stecken muss, damit das System funktioniert.
Aber wie schaut's denn mit der verrohten Jugend aus, die heute meint, sie könnte viele Probleme mit Gewalt lösen? Klar, die könnte man auch nett damit filmen und hinterher vor den Kadi zerren und bestrafen (wobei die Strafen dann meist ein Witz sind). Das wäre aber nur ein Herumdoktorn an den Symptomen.
Warum sind denn die Kids so voller Gewalt? Wenn ein Bildungssystem (jedes Bundesland betreibt da ja seine eigenen Experimente) den Kindern nichts mehr beibringt (siehe Pisa-Studie), was sie im [Berufs]leben bräuchten, weil die LehrerInnen zu sehr damit beschäftigt sind, Unruhestifter zu "integrieren" oder sich mit dem müßigen Versuch herumplagen müssen, die Kids zu erziehen (weil die Eltern es nicht mehr können/wollen/keine Zeit dafür haben, weil sie beide arbeiten müssen, um geregeltes Einkommen zu sichern), dann macht sich Perspektivlosigkeit breit. Mit dem Nichtwissen fällt es dann umso schwerer, eine Lehrstelle zu finden oder ein Studium zu beginnen, geschweige denn zu absolvieren.
Und schwups, hat man seinen jungen, frustrierten und gewaltbereiten Jugendlichen, der, weil sich niemand die Mühe gemacht hat, seinen Charakter zu formen, auch noch leichter von irgendwelchen verblendeten [rechts]radikalen Demagogen in die Irre führen lässt. Und schon haben wir den Salat, will sagen die steigende Zahl der rechtsgerichteten Gewalttaten.
Einen Schluss, den man daraus ziehen könnte, wäre, die Bildung zu stärken und die Eltern wieder zu motivieren, ihren Kindern Erziehung angedeihen zu lassen und ihnen wieder Werte zu vermitteln, die vor vielleicht nicht einmal 15-20 Jahren noch selbstverständlich gewesen sind - was sicher schwierig für die Eltern würde, die beide arbeiten _müssen.
Überwachung schützt nicht vor Straftaten, sie hilft allenfalls bei der Aufklärung und der Überführung der Täter, schreckt potentielle Täter in machen Fällen vielleicht noch von der Tat ab. Aber verbessert das auf lange Sicht das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung?
Mir wäre es wichtiger, nicht in der U-Bahn angepöbelt oder bedroht zu werden, als später im Gerichtssaal mit einem Beweisvideo aufwarten zu können.
Dazu fällt mir nur Ciceros vielleicht doch schon sehr abgedroschene Ausruf "Wehret den Anfängen!" ein, zum einen im Bezug auf die Entwicklung der Gewaltbereitschaft der heutigen Heranwachsenden, zum anderen zum Ausbau eines neuen Überwachungsstaates Deutschland.