Ich weiß gar nicht, unter welchem Motto ich diesen Beitrag unterbringen soll, so vielschichtig ist er. Achso, klar, vielleicht sollte ich dazusagen, worum es gehen wird: Um den Amokläufer an der Virgina Tech in Blacksburg (obwohl das ja schon wieder fast Schnee von gestern ist).
1. Heute Morgen im Radio hörte ich einen Ausschnitt aus dem Bekennervideo des Amokläufers. Faszinierend war, dass sich der Junge als Rächer der Unterdrückten hinstellte und seinen "Freitod" mit dem Abtreten von Jesus verglich. Nee, ist klar, ich metzel ein paar Dutzend Kommilitonen nieder ... welch Akt christlicher Nächstenliebe.
Da kommt bei mir direkt die Frage auf (sorry, wenn ich hier dazu neige, zu pauschalisieren): Warum sind diese durchgeknallten Typen, die möglichst viele Zeitgenossen mit ins Jenseits nehmen, so oft fanatisch-religiöse Fundamentalisten?
Ein Grund mehr für mich, mich von jeglicher Religion fernzuhalten. Ich für meinen atheistischen Teil kann damit gut und sogar - man kann's kaum glauben - total friedlich leben. Ich hab zumindest in letzter Zeit keine Zeitgenossen um die Ecke gebracht.
2. Absolut genial fand ich auch den Einwand der National Rifle Association, die sich ja stets auf das "Second Amendment to the Constitution of the United States of America" beruft ("A well regulated Militia, being necessary to the security of a free State, the right of the people to keep and bear Arms, shall not be infringed."), dass das Blutbad hätte verhindert werden können oder zumindest das Ausmaß verringert werden können, wenn die Studenten bewaffnet gewesen wäre (Dieses Argument stellt aber den Atomwaffensperrvertrag in Frage, denn wenn ich den Atommächten Atomwaffen zuspreche, sollte ich auch allen anderen Staaten Atomwaffen erlauben, damit die sich wehren können, sollte mal eine der anderen Atommächte auf die Idee kommen, in "mein Klassenzimmer zu rennen"). Nun, vielleicht ist es nur mir entgangen, aber: War Cho Seung-Hui ein Kämpfer der Bürgerwehr ("Militia")? Welche sonstige Veranlassung hätte er sonst haben sollen, sich zu bewaffnen?
Man stelle sich das dann in etwa so vor:
Ein religiös motivierter, von seiner Umwelt ignorierter, spätpubertierender Autor skurriler Theaterstücke fühlt sich motiviert, seiner Unlust am eigenen Leben Luft zu machen und rennt in mit zwei halbautomatischen Pistolen in einen Hörsaal, in dem 30 bewaffnete Studenten sitzen. Er schafft es, da das Überraschungsmoment auf seiner Seite ist und der "1890s Quick Draw Style"-Kurs erst in zwei Wochen beginnt, zwei der Studenten niederzustrecken, bevor ihn 28 restliche Studenten und ein geistesgegenwärtiger Professer mit seiner Ingram MAC-10 in Hundefutter verwandeln.
Nun, zumindest wäre DAS auch eine Schlagzeile wert.
Die naheliegende Konsequenz wäre doch nun, allen Studenten in den USA zu Studienbeginn zumindest eine halbautomatische Handwaffe, ausreichend Munition und einen Gutschein für Schießunterricht zu geben ... nur der Sicherheit halber. Wir wollen ja nicht, dass sowas wieder vorkommt ...