Am 19. Okt. 2007 wurden bei einem terroristischen Anschlag auf die nach Pakistan aus dem Exil zurückkehrende ehemalige Ministerpräsidentin Benazir Bhutto 139 oder mehr Menschen getötet und weit über 300 Menschen zum Teil schwer verletzt. Eine verachtenswürdige Tat, ohne jeden Zweifel.
Faszinierend finde ich an diesem Beispiel aber die Berichterstattung in der Tagespresse bzw. in deren Online-Fassungen. Dabei sind mir einige Äußerungenganz besonders ins Auge gesprungen.
Zitat aus
Spiegel Online vom 19.10.2007:
"Die Tat trage die Handschrift von Militanten und Terroristen, sagte heute ein Sprecher des Innenministeriums. [...] Der pakistanische Innenminister Aftab Ahmed Khan Sherpao sagte, die Attentäter wollten Angst und Schrecken verbreiten."
Unabhängig davon, ob SPON hier zitiert oder der Redakteur die Äußerung selbst verfasst hat, stellt sich mir hier die Frage, wo der Informationsgehalt liegt. Wer sonst außer "
Militanten und Terroristen" würde auf eine solche Idee kommen und sich mal kurz inmitten einer großen Menschenmenge in Plasma verwandeln wollen?? Verwirrte Chemiestudenten, die die exotherme Reaktion aus der letzten Vorlesung verifizieren wollten? Wahrscheinlich nicht.
Naheliegend ist wohl auch die Annahme, dass die Attentäter die Tat nicht begangen haben, um auf die gravierende Luftverschmutzung in Karachi aufmerksam zu machen ... NEIN! Sie wollten Angst und Schrecken verbreiten. Ich sag's hier nur nochmal, falls es jemandem beim Lesen des Artikels entgangen sein sollte.
Zitat aus der
faz.net vom 19.10.2007:
"Laut Azhar Farooqi, Polizeichef von Karachi, deutet das Muster des Anschlags auf einen erfahrenen Täter hin. „Dies war ein akribisch geplanter Anschlag, der professionell durchgeführt wurde - ganz sicher nicht von einem Anfänger“, sagte er."
Die Formulierung läßt reichlich Interpretationsspielraum. Was darf man sich unter einem erfahrenen
Selbstmordattentäter vorstellen? Wie sammeln sie ihre Erfahrungen? Ich würde behaupten, dass dafür sehr begabte und mit stoischer Geduld versehene plastische Chirurgen von Nöten wären. So ein Terrorist in 4000 Teilen ist nicht so flugs wieder zusammengesetzt. Nun, mag sein, dass mit den "Nicht-Anfängern" die Planer des Attentats gemeint waren, das würde dem Ganzen wieder etwas mehr Sinn geben.
Nichtsdestotrotz sorgt diese Art von Berichterstattung häufig für hochgezogene Augenbrauen und heftiges Kopfschütteln. Vielleicht sollte man sich seine Artikel, wenn sie frisch verzapftverfasst wurden, nochmal durchlesen, bevor man sie veröffentlicht.
[Ich bin gleich wieder da, ich muss nochmal schnell einige meiner Blog-Artikel querlesen]