Ich war müde und heute war viel los ... ok, es ist meistens was los in der Firma, deshalb geh ich da auch immer wieder hin. Aber das Nervenkostüm ist halt abends auf dem Heimweg etwas dünner und man hat den Kopf voller Sachen, die man nicht vergessen will ... insbesondere, wenn man später noch das eine oder andere erledigen muss.
Außerdem würde ich von mir behaupten, dass ich recht besonnen bin und nicht so leicht aus der Haut fahre. Und als ich mich in der S-Bahn so umblickte, war ich mir sehr sicher, dass es nicht nur mir so ging.
Wenn ich und mit mir einige andere Fahrgäste nicht zu dem Zeitpunkt hätten aussteigen können, als wir es konnten, wären wir beinahe in einen rasenden Mob mutiert und hätten sie beinahe gelyncht.
Sie sprach in doppelter Zimmerlautstärke in einer sehr aufdringlichen Stimmlage und versucht im Kinderjargon einem toten Pferd zu erklären, was ein Notebook ist ("Das ist sowas wie ein kleiner Computer!"), dass sie besagtes Notebook erst später ("wenn ich es gekauft habe") vorbei bringen und ihr (das zunächst angenommene "tote Pferd" erwies sich als ihre Oma) zeigen kann, wie DAS NOTEBOOK "aufgebaut ist und da ist ein Stromkabel dran", aber erst, wenn sie "beim Arbeitsamt (Anm. d. Red.: gemeint ist die Bundesagentur für Arbeit, sie war eigentlich zu jung, um den Begriff Arbeitsamt noch zu kennen) war, weil die Schweine ihr das Geld nicht zahlen" wollten.
Mir fielen mindestens acht Augenpaare auf, die sie zu durchbohren versuchten und eigentlich hätte sie schon aussehen müssen wie eine totalperforierte Voodoo-Puppe. Aber das Frollein war zu mindestens 124% schmerzbefreit.
Beim Aussteigen konnte ich von mehreren Seiten hören, wie diverse Mitfahrer und -innen merklich aufgestauten Druck abließen (Nein, es hatte nichts mit Flatulenz zu tun).
Von nun an werde ich nur noch mit einem tragbaren EMP-Generator S-Bahn fahren.