Tuesday, July 28. 2009
Es sind noch 62 Tage bis zur Bundestagswahl 2009. Das merkt man auch irgendwie. Das Gerangel um Wählerstimmen verschärft sich von Tag zu Tag.
Besonders interessant finde ich, dass plötzlich diverse Partei anfangen, "piratisch" zu sprechen. Nicht, dass sie es zuvor schon getan hätten, nein. Aber sie scheinen mitzubekommen, dass die Piratenpartei Themen anspricht, die einen nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung (ca. 100%) betreffen.
So sah ich gestern Abend beim Joggen ein Wahlplakat der SPD, auf dem ein Vortrag von Frau Prof. Dr. Däubler-Gmelin angekündigt wurde. Darauf der Slogan "Menschenrechte nur, wenn's passt?". Nun ... habe ich die letzten Jahre geträumt oder waren Menschenrechte nicht wirklich ein Thema der SPD? Mir wäre nicht aufgefallen, dass sich die SPD da besonders hervorgetan hätte. Ich lasse mich da gerne eines Besseren belehren (ich bitte um Kommentare).
Continue reading "Wenn einem die Felle wegschwimmen, wird man halt zum Trittbrettfahrer"
Monday, July 27. 2009
Der Fraktionsvorsitzende der Grünen in der Bremer Bürgerschaft, Matthias Güldner, hat ja kürzlich sehr von sich reden gemacht und hat entsprechende Fußtritte aus allen Richtungen erhalten für seine auf seiner Homepage und auf der Debatten-Seite von Welt.de veröffentlichte Polemik gegen die Netzwerk-Gemeinschaft (ich berichtete).
Es gibt aber auch Menschen, die ihm den Rücken stärken, z. B. Magnus Becker in seinem Blog.
Ich habe seinen Artikel kommentiert. Da ich nicht weiß, ob mein Kommentar einer Überprüfung von Magnus standhalten wird, packe ich ihn einfach hier auch noch hin:
Magnus,
wenn Du in den letzten Monaten die Presse verfolgt hättest, wäre Dir aufgefallen, dass die "angeblichen Gegner von Datenschutz-Verletzungen, von Meinungsfreiheits-Begrenzungen, von Maulkörben und Sperren" sehr wohl etwas zum Schutz der Rechte von missbrauchten Kindern und gegen Kinderpornographie getan haben. Ich will nur ein einziges Beispiel bringen. Alvar Freude vom AK Zensur hat es innerhalb von 12 Stunden geschafft, 60 Websites mit kinderpornographischen Inhalten vom Netz nehmen zu lassen. Nur durch eine einzige E-Mail an die entsprechenden Provider. (siehe http://www.golem.de/0905/67378.html ). Ich bin mir sicher, Du kannst die einschlägigen Suchmaschinen sinnvoll bedienen und wirst spielend weitere Hinweise dazu finden, dass jene "angeblichen Gegner von Datenschutz-Verletzungen, von Meinungsfreiheits-Begrenzungen, von Maulkörben und Sperren" nicht die Buhmänner und -frauen sind, wie Du sie hier darstellen willst. Wir sind nicht die Bösen. Wir machen nur die Augen weiter auf und wollen sinnvolle Maßnahmen, keine willkürlichen, undemokratischen und unkontrollierbaren Maßnahmen, wie sie momentan von der Bundesregierung durchgeboxt werden.
Mach Dir mal die Mühe und recherchiere ein wenig. Vielen Dank für Deine Aufmerksamkeit. Ralf
Mir dünkt, in dem Augenblick, wo man die höheren Weihen eines politischen Amtes erhält, verliert man völlig den Blick für die Verhältnismäßigkeit von Kosten zu Lasten des Steuerzahlers. Klar, warum soll ich (wenn ich z. B. Ministerin oder Minister bin) sparen? Zum einen ist es ja nur 1/82.000.000 meines Geldes und zum anderen bin ich ja auch außerordentlich wichtig.
Da ist - gerade brandaktuell - die Frau Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, die unbedingt meinte, ihren gepanzerten Dienstwagen nebst Fahrern und dessen 15-jährigen Sohnes von Berlin nach Alicante karren zu lassen. Die einfache Strecke beträgt ja nur 2383,9 km und dauert laut OpenRouteService NUR 20 Stunden und 44 Minuten. Man bedenke die Abnutzung des Wagens, die Arbeitszeit der Fahrer und den angesammelten CO2-Ausstoß, der dabei anfällt. Wäre der gepanzerte Wagen nicht unglücklicherweise gestohlen worden, hätte er die gleiche Strecke wieder zurückgefahren werden müssen.
Continue reading "Warum sparen, wir haben's doch ... für unsere Minister ist uns nichts teuer genug"
Sunday, July 26. 2009
Bisher ging ich - vielleicht doch recht naiv - davon aus, dass die Grünen an sich zu den progressiveren, weltoffeneren und liberaleren Parteien gehörten, aber der Fraktionsvorsitzender der Grünen in der Bremischen Bürgerschaft, Matthias Güldner, hat sich als merkbefreit qualifiziert.
Ich frage mich wirklich, wie es ein Fraktionsvorsitzender schaffen kann, sich so lang vor dem aktuellen Geschehen in den Medien verstecken kann, dass er nicht mitbekommt, worum es der Netcommunity und den neuen, politisch Aktiven geht, wenn sie u. a. gegen Internetsperren stimmen und sich für die Erhaltung bzw. Wiederherstellung der Bürgerrechte einsetzt.
Dr. Güldner hat seiner Homepage und auf Welt.de sein Herz ausgeschüttet, wie er über die Internet-Gemeinschaft denkt ... und lässt dabei kein gutes Haar an uns. Dabei ist der Mann noch gar nicht alt. Aber mein Vorschlag wäre: Herr Güldner, lassen Sie sich einsargen, Sie kriegen von der Welt um Sie herum nicht mehr genug mit, um mitreden zu können.
Vielleicht sollten Sie sich ein Abo einer überregionalen Zeitung leisten, sowas hält einen tatsächlich ein Stück weit auf dem Laufenden. Oder Sie fragen einen Kollegen, ob er Ihnen seine Zeitung leiht, wenn er sie ausgelesen hat.
Und falls Sie sich unter Twitter nicht wirklich etwas vorstellen können, schauen Sie sich doch mal an, was Ihre Partei so twittert, bevor Sie die Netcommunity derart beschimpfen.
Continue reading "Man muss nicht Rot oder Schwarz sein, um merkbefreit zu sein"
Braunschweig lebt in Angst und Schrecken, denn subversive Zellen von Spontan-Picknickern haben sich als ungeahnte, wenn auch nur potentielle Gefährdung der öffentlichen Sicherheit herausgestellt. Entsprechende Maßnahmen wurden ergriffen, um den bürgerlichen Frieden wiederherzustellen und größeren Schaden von der Braunschweiger Plastersteininfrastruktur abzuwenden.
Ich kann mir gut vorstellen, wie am 8.8.2009 von Mittag bis Sonnenuntergang diverse Hundertschaften von Undercover-Bereitschaftspolizisten in Form von Straßenkehrern, Würstl-, Zeitungs- und Rosenverkäufern zu Wochenendarbeit verdonnert werden, um der bagette-verschlingenden und weintrinkenen Massen freiheitsliebender Braunschweiger Einhalt zu gebieten.
Hoffentlich verfügt das Land Niedersachsen über ausreichend viele Grünen Minnas, um die Menschenmassen der Gerichtsbarkeit und der verdienten Strafe zuführen zu können.
[Update 2.8.2009 12:23]
Ich habe mir gerade nochmal den oben verlinkten Artikel auf der Zunge zergehen lassen. Da steht ja auch u. A. eine Forderung, ich zitiere:
3) Der öffentliche Raum in Braunschweig dient ausschließlich dem
Verkehr, also dem Transfer von Wohnung a zu Wohnung b, von Wohnung a zu
Geschäft b oder von Geschäft a zu Geschäft b.
Da stellen sich mir direkt einige Fragen:
- Ist das überhaupt rechtens, die Bewegungsfreiheit der Bürger derart einzuschränken?
- Wurde der Begriff "öffentlicher Raum" kürzlich neu definiert? Ich ging bisher davon aus, dass der öffentliche Raum für jedermann frei zugänglich wäre.
- Wer entscheidet, wo A und B sind? Dürfen die auch beweglich sein?
Auf SpON traf ich gerade auf den Artikel " Amoksirene für Schulen gefordert". Und ich halte das darin beschriebene Ergebnis des "Expertenkreis Amok" für ein Armutszeugnis.
Statt nach den Ursachen zu suchen, die Jugendliche zu Amokläufern werden lassen und diese möglichst auszuräumen, soll einfach das Symptom "Amoklauf" bekämpft werden, gewissermaßen mit einem architektonischen Aspirin. Statt daran zu arbeiten, dass sich Eltern wieder um die Erziehung ihrer Kinder kümmern und einen Draht zu ihnen haben bzw. wieder aufbauen, denkt man an den Ausbau der Schulen nach.
Wie darf man sich die Schule von morgen denn dann vorstellen? Kevlar-verstärktes Mauerwerk? Kugelsichere Panzertüren? Polycarbon-Sicherheitsscheiben? Videokameras in allen Gängen und Räumen? Metalldetektoren an allen Eingängen? Fragjackets, Kevlarhelme und Lexan-Schilde für die Schüler und Lehrer?
Die Kids werden sich jeden Tag freuen, in die Schule gehen zu dürfen.
Thursday, July 23. 2009
Ich komme gerade heim, nachdem ich heute Abend in meinem Firmen-Team "Turboturbine Traktor Financial" am Firmenlauf B2RUN München 2009 teilgenommen habe. Ich hab's tatsächlich geschafft, als zweiter meines Teams durch's Ziel zu gehen.
Während wir noch bei brüllender Hitze von ca. 35°C am Olympia-Stadion ankamen, zogen in der Zeit, in der sich die Läufer in den Startblöcken aufstellten, dickste Wolken auf und einige ausgereifte Gewitterschauer zogen über uns her. Dank des tollen Dachs des Stadions wurden nicht alle völlig nass, aber von den 30.000 Startern passten leider nicht alle unter die Dächer. Als ich 9:12min nach dem Startschuss die Startlinie überschritt, war ich bis auf die Haut durchnässt. Aber so wurde einem zumindest nicht so schnell zu heiß.
Für die von B2RUN angegebene Strecke von 6.750m habe ich laut der Teamauswertung M/F von BibChip 37:39,4min gebraucht. Nur mein Kollege Richard war mit 35:09,0min schneller. Ich muss aber sagen, ich war froh, endlich angekommen zu sein. Dabei war ich 21sec schneller, als ich für die Strecke von 6500m einkalkuliert hatte.
Ein paar Fotos gibt's zu dem Event auch schon, die sind aber leider nicht besonders gut und unterliegen einem Copyright.
Ich bin mal gespannt, wie/ob ich morgen aus dem Bett komme.
Saturday, July 18. 2009
Die Wirtschaftskrise scheint gar nicht so schlimm zu sein. Und weniger Steuereinnahmen sind scheinbar auch nicht so tragisch. Und am besten zieht man wohl nach Hessen (vorausgesetzt, man möchte keine Karriere bei der Steuerfahndung machen). Denn erfolgreiche Steuerfahnder, die den Landeskassen und dem Bundesetat Abermillionen oder gar Millarden € bescheren (können), scheinen nicht sonderlich beliebt zu sein ... zumindest nicht in einem CDU-regierten Bundesland.
Aber vielleicht ist das doch nicht so schlecht. Unter der Voraussetzung, dass ich - natürlich nur bei vollen Bezügen - mit 41 Jahren in den Vorruhestand geschickt werde, möchte ich bitte SOFORT auch Steuerfahnder in Hessen werden. Ich würde dann auch ganz sicher nichts über potentiell-unangenehme Zusammenhänge von obskuren Finanzaktivitäten meiner Arbeitgeber offenbaren. Warum sollte ich auch, solang der Caipirinha am Strand eiskalt und die Mädels brandheiß sind?
Nur doof, dass den ehemals erfolgreichen, hessischen Steuerfahndern diese Wunschvergünstigungen nicht zuteil werden.
Sollten sich die in diesem Artikel leicht herauszulesenden Vermutungen über ein persönliches Interesse des hessischen Finanzministers Karlheinz Weimar (CDU) an selektiver Wahrnehmung bei seinen Steuerfahndern bewahrheiten, würde ich dieser Causa ein Sarah-Palin'sches Ausmaß an Amtsmissbrauch zuschreiben.
Thursday, July 16. 2009
Heute haben wir's wohl besonders mit dem Glauben.
Zuerst stellen die Iren Gotteslästerung unter Strafe (aber nur bis zu 25.000 €, also Peanuts) [Bericht dazu z. B. bei SpOn]. Eine Wendung, die wohl für die meisten Menschen recht unerwartet kommt. Ich finde es schon extrem verwirrend, dass einerseits die Allierten um die USA - also mehr oder weniger der Großteil der "zivilisierten westlichen Welt" - gegen den Islamismus (Unwort für "Fundamentalistische, irregeleitete Muslime, die den Schuss nicht gehört haben") in der Welt vorgehen, im gleichen Atemzug die schöne grüne Insel aber einen doppelten Salto rückwärts ins Mittelalter auf die Sprungmatte legt. Und das passiert im säkularisierten Europa. Ziemlich erschreckend. Wohin geht wohl diese Reise?
Und dann sitze ich da ganz unschuldig schuldlos im Bus und ein (nach eigenen Aussagen) Frührentner, der (nach eigenen Aussagen) schon diverse Psychosen hinter sich gebracht hat, versucht, eine (nach eigenen Aussagen) 67jährige Rentnerin zum christlichen Glauben zu bekehren. Mir erschien es jedenfalls sehr befremdlich, als er fragte, ob sie eine Bibel daheim hätte und darin lesen würde und er meinte, seine Bibel gäbe ihm sehr viel, wir sollten froh sein, dass Jesus Christus für uns am Kreuz gestorben wäre und all unsere Sünden auf sich genommen hat.
Interessant fand ich dabei, dass die nicht bibellesende, ältere Dame, die sich von der institutionalisierten Kirche distanzierte, sämtliche Aussagen ihres missionarischen Nebensitzers sanft, aber bestimmt relativierte.
Nun, um Missverständnissen vorzugreifen, ich bin für den Schutz der Religionsfreiheit und jeder soll mit seinem Glauben glücklich werden, aber ich möchte auch in aller Ruhe religionsfrei sein können, ohne durch schwache, aber gut hörbare Indoktrinationsversuche im Bus von meiner wissenschaftlichen Lektüre abgelenkt zu werden.
Wednesday, July 15. 2009
Wie heute die Tagesschau berichtet, hat die Regierung der zentralasiatischen Republik Kasachstan beschlossen, eine Internet-Zensur einzuführen, da sie befürchtet, Andersdenkende könnten Chats und Blogs dazu missbrauchen (?), sich für Protestaktionen abzusprechen.
Ich würde mal behaupten, wenn das 'ne vernünftige Regierung wäre, bräuchte sie keine Angst vor Andersdenkenden zu haben.
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