Mir dünkt, in dem Augenblick, wo man die höheren Weihen eines politischen Amtes erhält, verliert man völlig den Blick für die Verhältnismäßigkeit von Kosten zu Lasten des Steuerzahlers. Klar, warum soll ich (wenn ich z. B. Ministerin oder Minister bin) sparen? Zum einen ist es ja nur 1/82.000.000 meines Geldes und zum anderen bin ich ja auch außerordentlich wichtig.
Da ist - gerade brandaktuell - die Frau Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, die unbedingt meinte, ihren gepanzerten Dienstwagen nebst Fahrern und dessen 15-jährigen Sohnes von Berlin nach Alicante karren zu lassen. Die einfache Strecke beträgt ja nur 2383,9 km und dauert laut OpenRouteService NUR 20 Stunden und 44 Minuten. Man bedenke die Abnutzung des Wagens, die Arbeitszeit der Fahrer und den angesammelten CO2-Ausstoß, der dabei anfällt. Wäre der gepanzerte Wagen nicht unglücklicherweise gestohlen worden, hätte er die gleiche Strecke wieder zurückgefahren werden müssen.
Und dann ist z. B. Frau Bundesforschungsministerin Annette Schavan, die meinte, einen Hubschrauberflug bei der Flugbereitschaft der Bundeswehr
von Stuttgart nach Zürich für läppische 26.500 € anfordern zu müssen,
weil sie unter "Terminzwängen" litt. Vielleicht hätte es ein Linienflug
(329 €) auch getan oder man hätte einfach mal VORHER auf den
Terminkalender geschaut. Aber warum die Mühe machen, wenn Otto
Normalverbraucher ihr über 26.000 € in den Rachen stopft? Im Zeitalter
des Internets gibt es übrigens jetzt GANZ NEU auch Videokonferenzen,
über die man äußerst kostengünstig und zeitsparend Interviews führen
kann.
Vergessen wir nicht die allseits beliebte Frau Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Ursula von der Leyen, die sich auch als Vorbild in Sachen Sparsamkeit, Vernunft und ökologischem Bewußtsein hervorgetan hat. So ließ sie sich zumindest in der Vergangenheit mit ihrem Dienstwagen (der aus Bonn jedesmal anreisen musste) von Burgdorf-Beinhorn bei Hannover zum Regierungssitz nach Berlin chauffieren. Und das nicht nur einmal. Und das, obwohl die ICE-Strecke zwischen Hannover und Berlin ausgezeichnet ausgebaut ist. Ein ökologischer Wahnwitz neben unsinnigen Fahrten für die Fahrer, die in Bonn beheimatet sind und so unzählige Stunden unzählige Kilometer Autobahn abgerissen haben. Man möchte eigentlich gar nicht wissen, wieviele Steuergelder da wieder in die Umwelt geblasen wurden. ... Nun, doch, eigentlich wüsste ich das schon sehr genau.
Wenn es nicht so heiß wäre, würde ich jetzt noch ein paar Fälle hervorstöbern. Das mache ich vielleicht heute Nacht, wenn es etwas abgekühlt hat. Aber ich wette, bis dahin hat sicher ein Mitglied unserer Regierung wieder einige Zigtausend € zum Fenster rausgeballert.