Sunday, August 15. 2010
Ich könnte schon wieder aus der Haut fahren, wenn ich lese, was Spiegel Online heute unter dem Titel "Erfolge im Kampf gegen Kinderpornos vorgegaukelt" berichtet.
Mir scheint, keine der verantwortlichen und/oder beauftragten Organisationen (BKA, EUROPOL, InHope, Eco, nationale Polizeibehörden) ist fähig und/oder Willens, aktiv, schnell und wirksam gegen die Veröffentlichung im Internet von sexuellem Missbrauch an Kindern (im Volksmund gerne "Kinderpornographie" genannt) vorzugehen.
- Zunächst schießt sich eco ins eigene Knie und in die Knie eines jeden deutschen Internetnutzers, indem es das Ergebnis eines internen Experiments über die Wirksamkeit von Löschanträgen via InHope mit unerwartet schlechtem Ausgang der Öffentlichkeit verschweigt und offensichtlich nicht auf Verbesserung der Abläufe pocht.
- Dann InHope, die es scheinbar darauf haben beruhen lassen, Websites mit illegalen Inhalten nur den jeweiligen nationalen Polizeibehörden zu melden und dann nicht mit Nachdruck deren Bearbeitung und damit die Löschung der Inhalte vorantreiben und wohl auch meist darauf verzichteten, die betroffenen Provider dieser Websites zu informieren, die innerhalb kürzester Zeit die Daten hätten löschen könnten.
- Dann ist da noch Europol, die sich nicht verantwortlich zu fühlen scheint, warum sonst müsste sich InHope immer an irgendwelche nationalen Polizeibehörden wenden, die der Angelegenheit dann monatelang nicht nachgehen können oder wollen.
- Und da sind die nationalen Polizeibehörden, die nicht Willens oder unfähig oder zu überlastet sind, um sich der schnellen Löschung von illegalen Inhalten im Internet anzunehmen. Ich frage mich wirklich, ob es den nationalen Regierung völlig egal ist, was deren Exekutive gerade so treibt.
- Und schließlich ist da noch das BKA, dass sich sicher schon die Hände reibt und es kaum erwarten kann, ihren Machtapparat zu erweitern, die Internetsperr-Infrastruktur nun doch zu implementieren, das Recht auf informationelle Selbstbestimmung und auf Meinungsfreiheit zu beschneiden und nach beinahe 65 Jahren freien Medien wieder die Zensur in Deutschland einzuführen.
Und das alles, weil einige wenige Behörden es nicht schaffen, Hand in Hand miteinander zusammenzuarbeiten. Es ist wirklich ein unglaubliches Armutszeugnis.
Was bräuchte es denn in jedem Land, um illegale Inhalte in der zivilisierten Welt schnell löschen zu lassen?
- Einige Richter mit ausreichender Medienkompetenz, um einen Webbrowser zu bedienen und illegale von legalen Inhalten unterscheiden zu können und bereit wären, im Schichtdienst zu arbeiten (man will ja die Inhalte so schnell wie irgendmöglich löschen).
- Eine Hotline mit vielleicht 30 Leuten (ebenfalls im Schichtdienst) mit ähnlicher Medienkompetenz, die auch noch das Kommando "whois" in eine Shell eintippen können, um den jeweiligen Provider der Seite nebst Kontaktinformationen ausfindig zu machen.
- Ein Fax (weil das ja eine anerkannte Kommunikationsform der Internetausdrucker ist), mit dem man Verfügungen an inländische Provider und Polizeidienststellen und Hilfeersuche an ausländische "Liaison-Richter" schicken kann. (Bei ausreichender Medienkompetenz könnte man das sogar völlig digital, verschlüsselt und signiert und mit Furz und Feuerstein versehen machen, das wäre noch schneller).
- Polizei, die befähigt und gewillt ist, zu einem Provider zu fahren und bei dem die Server aus dem Rack zu ziehen, um mit etwas Forensik vielleicht noch Verantwortliche für die illegalen Inhalte aufzuspüren.
Wäre es wirklich zu viel verlangt, so etwas bereitzustellen? Vor allem, weil die gesamte Infrastruktur an sich in jedem Land eh schon besteht!!
Achso, ich vergaß natürlich eins: Die Implementation würde natürlich den Grund für den Aufbau jeglicher Zensur-Infrastruktur zunichte machen. Da wäre ja kaum in Sinne diverser "demokratisch-gewählter" Regierungen.
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Tracked: Aug 15, 17:38