Ich wurde gerade von Freunden auf diesen
Artikel im SPON aufmerksam gemacht. Eine Germanistin, die als Aushilfslehrerin an einer Brennpunktschule tätig wird, beschreibt ihre Erlebnisse.
Wenn man das liest, fragt man sich, ob man tatsächlich ein schlechtes Gewissen haben soll, (noch) keine Kinder in die Welt gesetzt zu haben. Denn wenn ich mir vorstelle, ich würde mein Kind in solche Schulen schicken müssen - es gibt ja immerhin noch die Schulpflicht -, dann packt mich das blanke Grauen ... Da kri'isch Plaque!!
Warum sollte ich die Jugend meines Kindes mit solchen Zuständen vergeuden? Da bleibt einem nur eines: Verkauf' Auto und Haus (soweit vorhanden) und schick' Deine Kinder auf eine gute Privatschule in die Schweiz. Vielleicht eine mit einem kleinen Park, dann kann man sich, wenn man die Kids besucht, die Hotelkosten sparen und dort zelten. Die Wäsche kann man dann ja in einem der vielen Gebirgsbäche waschen, mit denen die Schweiz ja bekanntlich durchzogen ist.
Ich finde es beunruhigend, dass komplett ausgebildete Lehrer
arbeitslos daheim hocken und Trübsal oder ein sonstiges Instrument
blasen, während die Löcher in den Schulen mit Aushilfen gestopft
werden, auch wenn diese zugegebenermaßen Akademiker sind. Klar hört man
immer, der Bildungsetat ist zu dünn und es ist kein Geld für
festangestellte Lehrer mehr im Topf. Aber man lese nur den alljährlich
erscheinenden Bericht des Bundes der Steuerzahler über den Missbrauch und die Verschwendung von Steuergeldern.
Gut,
ich meine kürzlich gehört zu haben, dass für das laufende Steuerjahr
ein Überschuss von 1.3 Mrd € "erwirtschaftet" wurde. Dann wäre es bald
an der Zeit, dieses Geld sinnvoll einzusetzen.
Dabei sehe ich den
Handlungsbedarf nicht mal zwingend bei den Schulen. Die würden
wahrscheinlich sogar noch recht gut funktionieren. Aber wenn man sieht,
wie es heute an Schulen zugeht, darf man sich nicht wundern, wenn man
heute keinen 17jährigen oder auch fertigen Abiturienten mehr trifft,
der spontan auch nur einen Satz ohne Fehler schreiben kann. Wenn ich
mich an mein Studium zurückerinnere und an so manchen Teilnehmer meiner
Tutorien, die (man bedenke, ich rede von Inhabern der Allgemeinen
Hochschulreife) unfähig waren, eine Potenz in einen Taschenrechner
einzugeben, wird mir ganz schwindelig. Denn das sind irgendwann mal die
Leute, die später mal meine (wahrscheinlich extrem spärliche) Rente
zahlen sollen ... und das wahrscheinlich nicht können werden, denn die
Beiträge in die Rentenversicherung, die ein Mitarbeiter in einem
Fastfoodrestaurant zahlt, reissen sicher kaum die Salami von der Semmel.
Erziehung
und Bildung beginnt im Elternhaus. Die Schule bzw. die Lehrerschaft
sollte nicht die Funktion des Sozialarbeiters, der Ersatzeltern und des
Armenspeisers übernehmen müssen, sondern ihrem ursprünglichen Zweck
nachkommen dürfen, der Wissensvermittlung. Wenn sich die Lehrer nicht
zu 80% der Zeit damit beschäftigen müssten, die Kinder zur Ruhe zu
bringen, zu disziplinieren oder zu motivieren, sich größtenteils an
ihrem Platz aufzuhalten, hätten die Kinder sicher auch Gelegenheit,
etwas zu lernen. Den Kids beizubringen, wie man sich eben in einer
Schule zu verhalten hat, obliegt eindeutig dem Elternhaus.