Wie man bei
heise.de heute lesen konnte, gedenkt die Europäische Union in Gestalt von
EU-Kommissar Franco Frattini, ihre Mitgliedsstaaten zu motivieren, ihre Internet Service Provider dahingehend anzuleiten, die Internetsuche nach "gefährlichen Wörtern" zu blockieren. (In Berlin kommt prophylaktisch schon der
Frattinizer erfolgreich zum Einsatz.)
Gefährliche Wörter wären dann z. B. Bombe, Töten, Genozid oder Terrorismus.
Terrorismus hört sich schon richtig gefährlich an ... das Wort hat
auch scharfe Kanten, wenn man es schreibt, besteht die Gefahr sich
daran zu schneiden. Sollte ich jemals mit dem Gedanken spielen, eine
verfassungswidrige Tat vorzubereiten, werde ich erstmal die gängigen
Internet-Orakel nach Anleitungen zum Terrorismus befragen.
Leid
tun mir auch zukünftige Schüler, die ein Referat über das Ende des
Zweiten Weltkriegs im Pazifik schreiben müssen, denn sie werden sich im
Internet nicht über Artikel informieren können, die sich mit dem Abwurf
von zwei Atombomben über Japan befassen.
Sicher wird man
dann bald auch die Leugnung des Holocausts nicht mehr unter Strafe
stellen, weil sich kein Mensch mehr über die Greuel des Genozids
informieren kann, der durch die Nazis im 3. Reich an den Juden, Sinti
und Roma und anderen, dem Nationalsozialismus im Wege stehenden
Bevölkerungsgruppen begangen wurde. Die Information wird einfach nicht mehr leicht zur Verfügung stehen.
Eine naheliegende Konsequenz
wäre natürlich auch die Verbannung jeglicher Bücher, die sich mit
diesen Themen befassen. Denn wenn ich schon nichts mehr im World Wide
Web zu meinen Recherchen finde, geh ich halt in die Stadtbibiothek. Ich
bitte jedoch die Damen und Herren Innenminister der Europäischen Union,
sich zunächst mit ihren Kollegen und Kolleginnen aus dem Umweltressort
zusammenzusetzen, denn Bücherverbrennungen haben i. d. R. eine nicht zu
vernachlässigende CO2-Emission zur Folge, von den Dioxinen und anderen
Giftstoffen will ich erst gar nicht reden. Ein solcher Beitrag zur globalen Erwärmung wäre sicher nicht im Sinne der Gesellschaft, zu deren Schutz diese Maßnahmen ja schließlich dienen sollen.
Bedauerlich wäre sicher auch der Verbot der Lehre zum und die Ausübung des Berufs des Chemikers, Physikers und Ingenieurs für Maschinenbau, Werkstoffkunde und Metallurgie. Zum Ersten werden ja eh alle Informationsquellen, die für das Studium dieser Wissensgebiete erforderlich sind, verboten sein, desweiteren wären Leute mit solch gefährlichem Wissen "Gefährder höchster Güte". Menschen mit solchen Befähigungen dürften natürlich nicht mehr frei herumlaufen.
Als einzige Alternative für diese Berufsfelder sehe ich die Schaffung einer Mönchskaste, die freiwillig dem öffentlichen Leben entsagt und sich zu 100% unter die Überwachung durch den Verfassungsschutz begibt. So wäre zumindest die Erhaltung des Abendlandes gesichert. Das würde auch das Bildungssystem massiv entlasten, denn wenn es keine Bücher mehr gibt, besteht kaum noch die Notwendigkeit, die Bevölkerung lesen und schreiben lernen zu lassen.
Sollten all diese Maßnahmen nicht greifen, bleibt nur die Liquidation der Bildungselite. Ich als Brillenträger mache mich besser heute als morgen auf die Suche nach Kontaktlinsen oder einem guten Augenchirurgen.
Aber Spaß beiseite. Wenn wir ehrlich sind, leuchtet doch jedem ein: Es ist nicht die Information, die böse und gefährlich ist, sondern der, der sie missbraucht. Eine Verdummung der Bevölkerung löst das Problem nicht. Den weltweiten Terror-Organisationen stehen sicher weitaus ausreichende Mittel zur Verfügung, um sich die gewünschten Informationen auch ohne Zuhilfenahme des Internets zugänglich zu machen. Die Damen und Herren Terroristen lachen sich doch jetzt schon kaputt über solche Ansätze.