Heute war ich mit meiner besten Freundin und einem gemeinsamen Freund in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung in der Theatinerstraße, um mir die Ausstellung "Im Zeichen des goldenen Greifen" - Königsgräber der Skythen anzusehen. Und ich denke, wir drei waren uns einige, dass es sich gelohnt hat.
Wir haben uns die "multimediale" Führung gegönnt (sprich: ein Headset mit allem Hörenswerten zu den einzelnen Räumen und Exponaten). Und es gab wirklich viel zu sehen. Wenn man in Betracht zieht, dass die Skythen über ca. 750 Jahre eine weit entwickelte Hochkultur waren, ohne dabei jedoch feste Ansiedlungen oder Städte zu haben, ist das schon sehr bemerkenswert.
Betrachtet man die Exponate, dann kann man sich dem Eindruck nicht
entziehen, dass die Skythen ein recht eitles Volk waren. Ihr Kunsthandwerk war sehr stark entwickelt und ausgeprägt (siehe z. B. die Abbildung rechts, auf der ein Segment eines zeremoniellen Halsreifs eines skythischen Fürsten zu sehen ist, der aus ca. 2 kg reinem Gold besteht). Auch hatten sie lange vor Henry Ford die Massenproduktion erfunden. So wurde ein Gewand gefunden, dass mit 4000 goldenen Tierfiguren benäht war, 2000 nach links schauende Hirsche und
2000 nach rechts schauende. Diese waren nahezu identisch und wurden hergestellt, indem dünnes Goldblech in vorgefertigte Formen gepresst wurde.
Als Nomadenvolk waren die Skythen aber auch Meister in der Herstellung von Waffen. Sie hatten Eisenschwerter, Kriegshämmer und Streitpickel, bronzene Dolche und Composit-Bögen, mit denen sie ihre Pfeile bis zu 500 Meter weit verschießen konnten. Die Pfeile trugen Bronzespitzen, die von vorne aus betrachtet wie ein dreistrahliger Stern aussahen, was ihre Flugstabilität intensiv verbesserte, und manchmal mit Widerhaken versehen waren. Es war sicher kein Spaß, sich eines solchen Pfeils zu entledigen, hatte man sich erst einmal in dessen Weg gestellt.
Der Großteil des Wissens, das über die Skythen zusammengetragen werden konnte, stammt aus den Kurganen, großer, komplex angelegter Grabhügel, in denen hochgestellte Persönlichkeiten nebst ihrer Frauen, besten Pferde und wichtigsten Beamten und Krieger bestattet wurden. Starb ein Fürst, konnte es vorkommen, dass mit ihm 200 Pferde, mindestens ebensoviele Krieger (der Vater der Geschichtsschreibung Herodot beschrieb, sie wären mit Stangen durchbohrt auf den getöteten Pferden aufrecht sitzend bestattet worden, nachdem sie erdrosselt oder erschlagen worden waren) und noch einige Zig Gefolgsleute mit zu Grabe getragen wurden. Die Pferde waren z. T. mit sehr kunstvollen Zaumzeug, Trensen, Gebissen und Kopfschmuck versehen. Das war nicht verwunderlich, bedenkt man den hohen Stellenwert, den die Pferde bei den nomadischen Skythen hatten.
In der Ausstellung ist auch die Mumie eines verstorbenen Reiterkriegers zu sehen, dessen Leichnam in einer Eislinse über 2500 Jahre konserviert wurde und bemerkenswert gut erhalten ist. Faszinierend ist dabei, dass der Krieger hellblond war und sehr kunstvoll tätowiert war. Zudem war seine komplette Kleidung fast vollständig erhalten.
Der Tag war also eine hervorragende Gelegenheit, mal wieder etwas anderes zu sehen und angehäufte Überstunden sinnvoll abzufeiern ... und gute Freunde mal wiederzusehen und über das Gesehene zu diskutieren. Sollte die Ausstellung in Eure Stadt oder Nähe kommen, lasst sie Euch nicht entgehen.