Sonntag, 25. Juli 2010
Mit der Katastrophe bei der Loveparade 2010 in Duisburg, bei der 19 21 Menschen starben und 342 511 Menschen (ca. 40 davon schwer) verletzt wurden (Aussage vom stellvertretenden Polizeipräsidenten Detlef von Schmeling bei der Pressekonferenz heute gegen 12 Uhr) tun sich mir verschiedenste menschliche Abgründe auf. In Summe ist das alles sehr ernüchternd, wenn nicht sogar erschreckend.
Ahnungslosigkeit und Hilflosigkeit der Verantwortlichen
Während der Pressekonferenz sollten vier Verantwortliche der Presse Rede und Antwort stehen, nämlich der Leiter des städtischen Krisenstabs Wolfgang Rabe, der stellvertretende Polizeipräsident von Duisburg Detlef von Schmeling, der Veranstalter der Love Parade 2010 Rainer Schaller (sowie dessen Pressesprecher) und der Oberbürgermeister von Duisburg, Adolf Sauerland1. Auch wenn verständlich ist, dass sie zum Teil noch nicht ausreichende Informationen zum Unglück präsent hatten, konnten viele Fragen der Journalisten zu Punkten der Planung nicht beantwortet werden, so z. B.:
- "Für wie viele Menschen war das Festgelände überhaupt ausgelegt?" (Laut Spiegel Online war das Partygelände nur für 250.000 Menschen zugelassen.)
- "Wie viele Menschen waren wirklich vor Ort?" (Die Medien sprechen immer wieder von ca. 1,4 Mio. Menschen, von Schmeling nannte als einzige belastbare Zahl die von der Deutschen Bahn gelieferte Zahl von 105.000 Menschen, die mit der Bahn und/oder dem ÖPNV angereist waren2.
- "Wie kam man zu dem Schluss, der Tunnel (ca. 16 m breit und wohl etwas über 120 m lang) wäre als einziger Zu- und Abgang zum Festgelände ausreichend?" (Im Tunnel selbst gab es keine Richtungskontrolle des Personenflusses und er war auch nicht aktiv belüftet, soweit man das aus dem Bildmaterial erkennen kann)
- "Warum wurde der Zulauf auf das Festgelände zum Zeitpunkt des Unglücks nicht sofort gesperrt, so dass weiterhin Menschen auf die Unglücksstelle zuströmen konnten?"
Ernüchternd war vor allem, dass sich die Befragten zu den meisten Fragen nicht äußerten und sich stets auf die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen beriefen, die seit heute Vormittag im Gange sind. Ganz besonders erstaunlich erschienen mir die "Aha"-Effekte in den Gesichtern des einen oder anderen Befragten bei Fragen durch die Journalisten zu sehr offensichtlichen Gefahren- oder Brennpunkten bei der Planung der Veranstaltung (z. B. "Wie bekomme ich besagte 1,4 Mio. Menschen durch einen 16m breiten und 120m langen Tunnel?", eine rein mathematische Frage3).
Verwunderlich ist auch, dass unbezweifelt viele Planungsfehler begangen wurden, obwohl so viele Ämter und Gutachter (Ordnungsamt, Polizei, Rettungsdienste, Lopavent GmbH, Sachverständiger für die Dynamik von Menschenmengen Prof. Dr. Michael Schreckenberg von der Uni Duisburg) an der Planung beteiligt waren. Bedenklich sind auch viele Hinweise von einigen ortskundigen Leuten schon einige Tage vor der Loveparade, die gerade diesen Tunnel schon in diversen Internet-Medien (Foren z. B. Kommentar #18, Twitter) als "Falle" eingeschätzt hatten.
Ich denke, der Polizei vor Ort kann man keine Vorwürfe machen, die hat laut von Schmeling während des gesamten Verlaufs die Menschenströme kanalisiert, wie es die Planung wohl vorgegeben hatte. Aber es bleibt zu ergründen, wer für das Unglück verantwortlich ist und warum in Deutschland im 21. Jahrhundert mit all unseren Möglichkeiten dennoch solch ein Unglück geschehen kann. Ob man jedoch der Führung der Polizei Vorwürfe machen sollte, bleibt dahingestellt, denn wie Spiegel Online heute auch weiter berichtete, ließ die Bundespolizei wohl "inzwischen sämtliche Unterlagen zur Love Parade - Einsatzbefehle, Lagemeldungen, Karten - von den Computern der Beamten sowie aus deren E-Mail-Accounts" löschen.
[Update via Twitter] Wie Carsten Erdmann von der Berliner Morgenpost berichtet, bestätigte der Sprecher des Bundespolizeipräsidiums, Jörg Kunzendorf, auf Anfrage gegenüber deren Reporter auf Anfrage so oben genanntem SpOn-Bericht: "Alle Einsatzunterlagen liegen vor und können bei Bedarf eingesehen werden."
Reaktion der Bevölkerung
Sehr viele Besucher der Loveparade und natürlich auch die TV-Sender haben sehr viel Bildmaterial ins Netz gestellt, auf youtube und den Webpräsenzen der Sender finden sich zahllose Videos zum Unglück. Wenn man sich dann aber mal die Kommentare zu den Videos anschaut, packt einen zum Teil das kalte Grauen.
Ermutigend ist zugegebenerweise die große Anteilnahme und der Ausdruck von Mitgefühl vieler Kommentatoren. Erschreckend sind aber auch unterschiedlichste Stilblüten. Die einen geben den Opfern selbst die Schuld am Unglück, andere sprechen von "der Strafe Gottes" (klar, jedem religiösen Fundamentalisten war die Loveparade sicher ein Dorn im Auge), wieder andere beschimpfen andere Kommentatoren mit "Du Opfa" und schlimmerem. Diese Kommentare bieten einen erschreckenden Einblick in die Gefühlswelt und das Bildungsniveau dieser Leute. Während sich die eher mitfühlenden Kommentare meist gerade noch lesen und verstehen lassen, muss man sich bei den diffamierenden Kommentaren schon sehr viel Mühe geben. Hier zeigt sich eine bedenkliche Verrohung und ein ebenso bedenklicher Mangel an Erziehung und Bildung. Man stellt sich die Frage, ob man mit Menschen solchen Schlages wirklich zusammenleben will und welche Wege unsere Gesellschaft, (insbesondere die Eltern und im Anschluss daran auch die Schulen) einschlagen muss, um solche Menschen wieder zu sozialen Menschen werden zu lassen. Zu Menschen mit Werten, Respekt und Toleranz anderen gegenüber.
Mir fehlen weitere Worte - Kommentare sind willkommen.
"Menschliche Abgründe tun sich auf - zur Katastrophe bei der Loveparade 2010" vollständig lesen
Freitag, 9. Juli 2010
Kürzlich erschien in der in der Schweiz erscheinenden WOZ Die Wochenzeitung ein Bericht von Bettina Dyttrich zu "Patenten auf Pflanzen". Wenn man den liest, muss man wirklich aufpassen, dass einem nicht die Hutschnur platzt, der Geduldsfaden reißt und es dem Fass nicht die Krone ins Gesicht haut.
Es geht darum, dass Agrar-Magnaten verschärft darauf aus sind, jetzt auch Lebewesen patentieren lassen wollen, zu deren Entstehung keine labor-gentechnischen Mittel eingesetzt wurden.
«Eine Sorte kann nicht patentiert werden, mehrere Sorten aber schon. Es reicht, zu schreiben, eine Zuchtlinie lasse sich mit verschiedenen anderen Zuchtlinien kreuzen, dann ist das Verfahren patentierbar.» [..] «Die britische Firma Plant Bioscience hat ein Patent auf ein Verfahren angemeldet, Broccoli so zu züchten, dass sie mehr natürliche krebshemmende Glukosinolate enthalten. Mit dem Verfahren zusammen würden auch alle Pflanzen patentiert.»
Nun, wenn das so ist, lasse ich mir einfach einige Menschengruppen mit irgendwelchen skurilen Eigenschaften wie "geringer Bartwuchs" oder "große Brüste" nebst "Zuchtverfahren" patentieren. Wer sich dann ohne Lizenz fortzupflanzen wagt, wird sich mit meinen Anwälten auseinandersetzen müssen. Liebe Leute, kauft schon mal Aktien von Verhütungsmittel-Herstellern, denn sobald meine Patente durch sind, wird es ruhiger in den Kreißsälen! Fundamentale Anhänger diverser Religionsgemeinschaften müssen sich dann aber wohl kaum umstellen, denn Geschlechtsverkehr dient ja bekanntlich ausschließlich der Fortpflanzung. Da bleibt jetzt also auch mehr Zeit für die Sammlung von Porzellanpuppen.
Montag, 24. Mai 2010
Ich darf heute arbeiten. Heute, am Pfingstmontag, wird an der Börse gehandelt, also ist unsere "Ops" besetzt ... heute mal durch mich. Ich bin gewissermaßen ein Ops-Besetzer, aber das ist völlig legal.
Nun, um die Ops besetzen zu können, fuhr ich wie jeden Arbeitstag mit der S- und U-Bahn ins Büro. In der U-Bahn meinte jemand, sein Handy wäre ideal, um den Rest der Mitfahrer zu beschallen, frei nach dem Motto "Meine Nachbarn hören gute (Anm. d. Red.: in diesem Fall schlechte) Musik, ob sie wollen oder nicht!".
Ich hab ihn dann mal gefragt, was er vom Konzept "Kopfhörer" so hält. Es erschien ihm scheinbar als totale Innovation, denn ich musste es ihm erst in wenigen kurzen, leicht verständlichen Sätzen nahebringen. Er meinte, wir könnten auch gerne (vom S-Bahn-Geschoss) nach oben gehen, um das an der frischen Luft auszudiskutieren, worauf ich ihm aber vorschlug, wir könnten das Thema auch gerne in voller Tiefe unten im U-Bahn-Geschoss breitklopfen, da ich immerhin auf dem Weg zur Arbeit wäre, worauf er dann auch einging.
Im Laufe des kurzen Gesprächs ... oder nennen wir es lieber "verbalen Schlagabtauschs" kam er irgendwie vom Thema "Mein Handy ist lauter als Deins" ab und meinte, er würde sicher mehr Steuern zahlen als ich "HartzIV-Empfänger". Mich beschlich augenblicklich das dumpfe Gefühl, ich kleide mich etwas zu léger. Nun, ich kam nicht mehr dazu, ihm meinen letzten Steuerbescheid vorzulegen, da ihm noch auf der Rolltreppe die Argumente (und die Musik auf seinem Handy) ausgingen.
Es ist aber doch sehr interessant, wie leicht man wildfremde - mehr oder weniger gesellschaftsfähige - Menschen näher kennenlernen kann, nur weil man der einzige in der U-Bahn ist, der es wagt, darauf hinzuweisen, dass das Gejammere aus diesem Ghettoblaster für Arme nicht jedermanns Geschmack trifft.
Dienstag, 13. April 2010
Als ich heute nach der Arbeit an der Bushaltestelle stand, fielen mir zwei ... nennen wir sie 'Herren' auf, die im Wartehäuschen saßen und sich unterhielten. Auffällig war aber weniger die Tatsache, dass sie dort saßen, sondern eher deren Ausdünstungen, die ich leider auch in ca. 8 m Entfernung gegen den Wind wahrnehmen konnte.
Ich dachte mir: "Es ist ja nicht der Gestank, ... es ist das Brennen in den Augen!"
Da fragt man sich aber auch, was muss man essen (oder wahrscheinlich eher trinken) und wie lange darf man sich nicht waschen, um solch ein Aroma zu verbreiten? Und das mitten in München!
Sie stiegen dann auch noch in den gleichen Bus ein. Ich habe selten soviele grünlich-blaue Gesichter in einem Bus gesehen. Bei denen, die aussteigen durften, konnte man förmlich hören, wie sie außerhalb des Busses durchschnauften. Und als die beiden Hygieneignoranten endlich ausstiegen, war stummer Applaus zu vernehmen.
Bei Busmitreisenden mit solchen Emissionen spielt man in der Tat doch wieder mit dem Gedanken, auf irgendwelche vermeidbaren CO2-Emissionen zu pfeifen und sich wieder ein Auto zu kaufen. Solche Leute sind sicher maßgeblich schuldig am "global warming"!
Freitag, 5. Februar 2010
I just finished "Nation" by Sir Terry Pratchett ... once again an amazing book.
I thought I'd love "Night Watch" for being such a brilliant, thrilling 'whodunit' with so many unexpected turns and an even more unexpected ending - exactly how I would've liked it to end without knowing it when the story unfolds. Then again, I loved "Monstrous Regiment", which is - I think - the best war story I've ever read (who'd expect you to almost smile your head off reading a war story?).
Well, "Nation" is once again a brilliantly told story (it's got nothing to do with Discworld, mark my word). It's philosophy made easily understood, very subtle, so that noone could put a finger on it. It even has some - kind of 'transparent' - romance in it.
Anyway, "Nation" gets an A++ ... or a 12 on a scale of 10. For whom ever read a Terry Pratchett novel this is (another?) must-read.
Mittwoch, 16. Dezember 2009
Nachdem ich gestern in der S-Bahn Sir Terry Pratchetts neueste Discworld-Novel "The Unseen Academicals" in der S-Bahn zuendegelesen habe, fiel mir leidvoll auf, dass mein Lesestoff zuendegegangen ist. Deshalb habe ich mich gerade dazu hinreißen lassen, bei einem großen Online-Buchhändler für Nachschub zu sorgen.
Mein Warenkorb setzte sich aus "Nation"*, "Thief of Time (A Discworld Novel)", "Night Watch. A Discworld Novel", "The Last Hero. A Discworld Fable" und "Monstrous Regiment" bestellt. Leider kommen wohl einige der Bücher erst zwischen dem 21.12.2009 und 2.1.2010 an. Nuja, kein Wunder, es geht auf Weihnachten zu, da muss man sich halt in Geduld üben. Aber zwei der Bücher sind wohl schon am Freitag da (ergo in zwei Tagen). Ich wünschte, ich hätte 'ne bessere Connection zum Librarian .... Ook!
* Gebundene Fassung, Taschenbuch
Freitag, 11. Dezember 2009
Ich komm ja nicht so oft vor die Tür [liegt wohl an der Länge - oder Kürze - der Kette ;o) ], aber heute hat mich eine ehemalige Kundin in Personalunion mit einer guten Freundin doch rausgelockt. Wir waren um 17:30 Uhr an der Münchner Freiheit auf dem Weihnachtsmarkt verabredet.
Ich war wie abgemacht pünktlich, Mamsell ließ einen Hauch auf sich warten, aber das war schon ok so. Dann ging's "in die Schlacht". Ich habe mir wohlweißlich zunächst eins dieser leckeren Neuburger Flammbrote einverleibt, die hervorragend als Grundlage für Heißgetränke dienen. Dann gab's erstmal je ein Tässchen Jamaika-Rum-Glühwein (jetzt wisst Ihr, warum ich das Flammbrot vorher gegessen habe, denn der Glühwein dient meist nur dazu, dem Rum eine rote Farbe zu verleihen). Da es auf Grund zu geringer Höhe ü. N.N. regnete statt zu schneien, stellten wir uns beim Zelt vor der Bühne unter, wo sich gerade ein Ensemble warmspielte und der Toningenieur die Microphone kalibierte. 7 Geigen oder Violinen, zwei Celli, eine Percussionbox und ein Akkordeon. Die Youngsters firmieren unter dem Label "Bluestrings" (deren CD "Bluestringslive SEITENHIEBE/SAITENLIEBE"* hier vor mir liegt). Die Performance war wirklich außerordentlich gut.
"Action-Weihnachtsmarkt an der Freiheit" vollständig lesen
Sonntag, 11. Oktober 2009
°oO( Wo ist meine Sonnenbrille? )
Ich war gestern zu'nem 30. Geburtstag eingeladen. Los ging's um 20 Uhr im Café Macchiato in der Leopoldstraße mit netten Leuten, leckeren Essen und kühlem Blonden. Als die dort dann mal langsam Feiermorgen machen wollten, ging's um 3 Uhr weiter ins Barschwein, wo wir noch bis irgendwann 'n bissl Pogo gemacht haben. Cool war's. Um 7:30 Uhr war ich dann wieder daheim.
Als ich heute Mo...Nachmittag aufgewacht bin, dachte ich erst, was sind'n das für seltsame Kopfschmerzen, die da so brummen. Dabei waren das nur die Sand-Speedway-Bikes vom Stadion nebenan. Das Leben geht also auch locker ohne Aspirin weiter 
Samstag, 3. Oktober 2009
Hier sieht man, welchen Schaden man nehmen kann, wenn man MP3s aus'm Netz runterlädt.
Bitte gebt Al eine Chance zu überleben und ladet diesen Song NICHT herunter!! Es könnte sein, dass Ihr sonst in der Hölle schmoren werdet!
Sonntag, 13. September 2009
Nachdem ich etwas verkatert um 7 Uhr von meinem Firmenhandy aus dem Schlaf gerissen worden bin und danach erstmal eine Stunde beschäftigt war, konnte ich nicht mehr so richtig einschlafen. Also blieb nur, den Kater wegzuduschen und meinen Hotelier zu überraschen, der schon das Frühstücksbuffet abgeräumt hatte, als ich dann gegen 10 Uhr runterkam.
Nach dem ausgiebigen Frühstück und dem Auschecken habe ich dann nochmal eine Runde durch Lauda gedreht, um mir anzuschauen, was sich in den letzten 20 Jahren dort so geändert hat.
Da ich dann noch relativ viel Zeit bis zur Abfahrt meines Zuges hatte, bin ich im Café Meet in der Pfarrstraße hängengeblieben, um mir einen Café au lait zu können (lecker Lavazza). Aus dem Café au lait wurde ein anderthalbstündiges interessantes Gespräch mit dem Eigentümer und seiner Familie. Nach 15 Minuten hatte ich mehr oder weniger schon Familienanschluss. Das Ganze war extrem entspannt und genau das Richtige für einen Sonntagmittag nach einer zu kurzen Nacht.
Sollte es Euch mal nach Lauda-Königshofen verschlagen, schaut dort unbedingt mal vorbei. Es lohnt sich auf jeden Fall. Das "Meet" ist definitiv ein echtes Wohlfühl-Restaurant und Café.
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