Nein, versteht mich nicht falsch, ich hätte ja lieber den Georg Schramm als Bundespräsidenten, falls der tatsächlich den Job auch haben wollte. Der wäre sehr wahrscheinlich besser als ich. Aber praktisch wär's schon.
Ich habe da nämlich einen Kleinkredit, dessen Zinsfestschreibung im April ausläuft. Und da hat mir meine Bank doch tatsächlich das gönnerhafte Angebot von 7,11% effektivem Jahreszins gemacht. Tjaaa, wäre ich jetzt ein Bundespräsident mit 'ner gesicherten, fetten Pension, würde ich ganz sicher auch nur 0,9% p. a. zahlen.
Nuja, ich schau mal, was der Kreditmarkt noch so hergibt. Oder vielleicht werde ich doch einfach nur Bundespräsident.
Eine Mail in meinem Spam-Folder hat mich heute auf'ne nette Geschäftsidee aufmerksam gemacht. Viel einfacher kann man kaum Geld verdienen.
Phishing-IQ-Test? Hab ich jetzt bestanden?
Man schickt einfach den Besitzern von irgendwelchen Domains ein unverfängliches Angebot in JuraSprech mit einigen Buzzwords, die man sonst nur aus Klageschriften oder Abmahnungen kennt und fordert den Empfänger auf, möglichst schnell die Kohle zu überweisen. Ich wage ja mal zu bezweifeln, dass einer Zahlung tatsächlich auch nur ein Hauch einer Dienstleistung folgen würde. Aber was soll's? Hauptsache, die eigene Kasse klingelt und das Gewissen des Bephishten ist beruhigt. 8o)
Was kostet heute das Versenden von 10 Mio. Mails? Und jeder Wievielte wird darauf wohl anspringen und zahlen? Ich bin mir recht sicher, dass das Konzept schon in der Gewinnzone ist.
Achja, der Urheber der Abzocke ist übrigens http://domainregren.com ... Die sollte man wohl besser auf die persönliche Blacklist setzen.
Da wären zum einen die Gebühren-Einbrüche, die durch den Wegfall der ALG II-Empfänger entstehen würden. Ich denke, es ist nur gerecht, dass die ALG II-Empfänger von der Gebühr befreit werden. Und wenn man von einem Gesamtbudget der ARD von ca. 5 Mrd. €/Jahr ausgehen darf, denke ich, dass ein Verminderung um 50 Mio. € kaum ins Gewicht fällt. Ich meine kürzlich irgendwo gelesen zu haben [die Quelle versuche ich noch aufzutreiben, sobald ich die Zeit dafür finde], dass den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ein weitaus größeres Budget zur Verfügung steht als den privaten Sendern. Um eine finanzielle Wettbewerbsfähigkeit sollten sich die öffentlich-rechtlichen Sender deshalb wohl eher weniger Sorgen machen müssen. Aber die fehlenden 50 Mio. € holt der WDR ja durch den Abbau von 100 Arbeitsplätzen in dessen IT dann leicht wieder raus. Wie ein Sender aussieht, der keine funktionierende IT und Studio-Regie hat, kann man sich jeden Tag auf n-tv anschauen, in dessen Studios scheinbar nur Praktikanten beschäftigt werden.
Ich habe leider gerade keine Statistik, wie viele Haushalte es in Deutschland gibt, aber wenn man von einer geschätzten durchschnittlichen Haushaltsgröße von ca. 2,3 Menschen ausgeht, blieben immer noch ca. 35,65 Mio. Haushalte. Wenn die dann alle jeweils 17,98 €/Monat abdrücken, kommen da jährlich läppische 7,55 Mrd. € /Jahr zusammen. Von einem Gebühren-Einbruch würde ich dann definitiv nicht mehr reden. Selbst wenn man die 3 Mio. Arbeitslosen abzöge, wären das immer noch 7,044 Mrd. €/Jahr, also immer noch 2 Mrd. €/Jahr mehr als bisher. Sicher, mit den paar Kröten müsste sich die ARD schon etwas zusammenreißen, um noch als Qualitätsmedium antreten zu können.
Interessant finde ich, dass Frau Piel "hochqualitative Inhalte" bieten möchte. Nun, das Mutantenstadl ist nicht wirklich das, was ich mit hochqualitativ bezeichnen würde, aber vielleicht denke ich in 20-30 Jahren anders darüber. Ich frage mich aber, warum es der ARD mit jetzt schon 5 Mrd. €/Jahr kaum gelingt, besagte hochqualitative Inhalte zu bieten, aber vielleicht unterschätze ich ja die Kosten, die bei der Produktion ebensolcher anfallen. Celluloid oder worauf auch immer diese Inhalte gebannt werden, scheint immer teurer zu werden. Aber das wird mit 2013 dann sicher alles besser.
Das Frau Piel auch auf Online-Medien setzt, finde ich generell eigentlich gut. So ist ja z. B. die Tagesschau-App für mein Android-Smartphone kostenlos. Wenn da nicht das Wermutströpfchen wäre, dass das ja nicht immer so bleiben müsste. Wenn ich dann eine Aussage wie "Den Geburtsfehler des Internets - kostenlose Inhalte - zu beseitigen ist aber schwierig und langwierig." lese, könnte ich aus der Haut fahren. Vielleicht ist es Frau Piel entgangen - sowas kann einem ja schon mal passieren -, dass die Inhalte, die man über die Online-Dienste abrufen kann, schon auf Kosten des Bürgers und Gebührenzahlers erzeugt wurden und er daran, nachdem er sie schon bezahlt hat, meines Erachtens nach auch Rechte hat. Ganz besonders stößt mir dabei auf, dass z. B. in den Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten Inhalte (und auch nicht alle Inhalte) nur befristet zur Verfügung gestellt werden, und zwar nur als Stream, nicht mit der Möglichkeit, die Beiträge herunterzuladen. So bleibt dem Gebührenzahler eigentlich nur, sich ständig mit den Medien zu beschäftigen und sich möglichst gut mit seinem programmierbaren DVD-Recorder auszukennen, um alles, was ihn potentiell interessieren könnte, schon bei der Ausstrahlung aufzuzeichnen. Der Gedanke, dass die Bürger Medieninhalte, die sie zu 100% finanziert haben, nicht oder nur mit größerem Aufwand auch privat nutzen dürfen, regt mich jedes Mal erneut auf.
Etwas beängstigend finde ich auch, dass "Klimbim" zum Gesprächsthema wurde. Ich hoffe inständig, dass die ARD sich die allergrößte Mühe geben wird, das Niveau ihrer Sendungen über dem von Klimbim zu heben und ihrem Bildungsauftrag nachkommt. Es wundert mich immer wieder, wie niedrig das intellektuelle Niveau der angebotenen Inhalte ist ... bzw. war, als ich noch einen Fernseher hatte. Wenn ich mir da Sendungen auf Discovery Channel oder Beiträge der BBC ansehe, packt mich immer wieder das Erstaunen, dass ein Rundfunkapparat mit einem Milliardenbudget es nicht schafft, gleichwertige Inhalte anzubieten.
So, jetzt läuft mir die Zeit davon. Der nächste Wecker klingelt bestimmt ... und früher als man denkt.
In der Natur war (ist?) der Winter eigentlich immer die Zeit, wo sich die Spreu vom Weizen getrennt hat. Wer zu schwach war, wachte im Frühjahr als Tiefkühlware wieder auf, meist im Magen eines robusteren Zeitgenossen.
Auch unsere Deutsche Bahn überprüft ihre Infrastruktur sehr selektiv im Winter. Leicht werden Schwachstellen gefunden, die in den wärmen Jahreszeiten gerade noch so durchgeschlüpft sind.
Am Montag verstarb ein geschwächter S-Bahntriebwagen im Tunnel der Münchner Stammstrecke und legte den gesamten S-Bahnverkehr für Stunden lahm. Am Mittwoch zerlegte es eine Oberleitung an der Donnersbergerbrücke, auch dieser Schaden wurde erst nach über vier Stunden behoben, Tausende der MVV-Kunden testeten die Isolationskapazität ihrer Winterbekleidung bis ans und über das Limit. Und heute hat eine Signalstörung an der Hackerbrücke wieder einmal dafür gesorgt, dass sich die Bäckereigeschäfte an den S-Bahnhöfen über erhöhten Absatz von großen heißen Schokoladen und zuckerreichem Backwerk erfreuen konnten.
Ein wenig zynisch kam mir auch der etwa sechs Meter lange Heizkörper unter der Bank im Lochhausener S-Bahnhof vor, dessen Rippen gefühlte -3°C warm waren.
Sehr schön sind dann auch die immer wiederkehrenden Durchsagen zu den Verspätungen der doch so erwarteten Züge. "Die S3 Richtung Mammendorf, planmäßige Abfahrt 17:54 Uhr, verspätet sich um ca. [5 | 10 | 15] Minuten!" Fast ermutigend klang dann die nächste Durchsage "Die S3 Richtung Mammendorf, planmäßige Abfahrt 18:14 Uhr, verspätet sich um ca. 5 Minuten!" ... WAS? Nur noch 5 Minuten?? Cool! Und dann merkt man, dass die Bahn, auf die man ja schon 35 Minuten wartet, soeben ausgefallen ist und schon die nächste S-Bahn wieder 5 Minuten verspätet ist. Aber bis dahin ist man eh schon fast eingefroren.
Noch drei Wochen dieser Art und ich kaufe mit 'nen Yeti als Haustier.
Achja, zum Thema Pünktlichkeit meinte der Verkäufer in der Bäckerei dann nur: "Also, mit der Preiserhöhung der S-Bahn-Tickets zum 13.12.2010 war die Bahn pünktlich wie die Maurer."
Irgendwie bin ich gerade ein stückweit sauer ... wütend trifft's besser. Und da bin ich heute Abend ganz sicher nicht der Einzige im Großraum München.
Denn während mal wieder die Preise für die S-Bahn erhöht wurden, wurde dafür an der Service-Qualität weiter gespart. Nuja, es ist ja nicht völlig unverständlich, denn das Prestige-Objekt S21, dass sich die Bahn unter Stuttgart pflanzen will und das die Baden-Württemberger noch weit ins 22. Jahrhundert verfluchen werden, muss ja irgendwie finanziert werden. Bei den bisher veranschlagten 4 + x Mrd. € wird es ja wohl 100%ig nicht bleiben. (Wenn die 6,5 Mrd. € überschritten sind, sprechen wir uns nochmal).
Heute standen sämtliche Kunden des MVV in S-Bahnhöfen zur oder auf der Stammstrecke und haben laut geflucht oder sehr verzweifelt dreingeschaut. Denn wegen "einer größeren Störung im Tunnel" fuhren nämlich überhaupt keine Züge mehr durch denselbigen. In keine Richtung. Wer Glück hatte, war am Hauptbahnhof gestrandet, von dem aus man sich - wenn man nach Osten wollte - noch mit der U-Bahn zum Ostbahnhof retten konnte, von wo aus wieder Züge fuhren oder - wenn man nach Westen oder Süden wollte - auf den Flügelbahnhof flüchten konnte, wo sich in kürzester Zeit über 1000 Fahrgäste einfanden, um auf einige wenige S-Bahnen oder - wie ich - auf eine Regionalbahn nach Mittenwald verteilt wurden. Ich könnte wetten, dass diese Züge durch die Bank weg alle ihre Maximalanzahl von erlaubten Fahrgästen leicht überschritten.
Besonders interessant war, dass am Flügelbahnhof nur genau ein einziger Mitarbeiter der Deutschen Bahn vorzufinden war: ein mutiger Zugbegleiter aus der Regionalbahn nach Mittenwald, der den Leuten zurief, wer nach Pasing wolle, solle sich schnell einen Platz in seinem Zug suchen. Ansonsten war da gähnende Leere im BeZUG auf Bahnmitarbeiter, die die Krise irgendwie in geregelte Bahnen hätten lenken können.
Auffällig ist auch, dass gerade heute der Fahrplan umgestellt worden ist. Ob das mit der "größeren Störung" im Tunnel im Zusammenhang steht, überlasse ich mal der Phantasie der geneigten Leser. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Wartungsintervalle für die S-Bahn-Züge immer weiter gestreckt werden. Und hier hat wohl mal wieder einer der Züge das Limit überzogen.
Wenn ich nicht eh gerade krank wäre, wäre ich sicher heute auch nicht aus dem Haus gegangen. Ich meine, schaut Euch doch mal um. Also, mir ist das alles inzwischen viel zu gefährlich.
Zuerst diese Kofferbombe in Windhoek (Namibia). Also, da muss man doch schon Angst kriegen. OK, das war gar keine richtige Bombe, sondern nur so ein Realtest-Koffer, den wahrscheinlich eine nicht näher benannte deutsche Behörde da in Umlauf gebracht hat, um der Terrorangst ein bissl Vorschuss zu geben. Ich frage mich aber schon, warum das direkt einen Tag nach Karl Thomas de Maizières Terrordrohungen passiert ist. Hätte diese Behörde nicht etwas mehr Geduld aufbringen können? Ein bisschen unglaubwürdig macht sie sich damit doch.
Und dann diese vielen versteckten Bomben, die in den letzten 24 Stunden gefunden wurden. n-tv berichtet über eine verdächtige Tüte am Hannoveraner Hauptbahnhof (OK, war eigentlich gar nicht so wirklich 'ne Bombe, aber egal) und dann die Kofferbombe im ICE 609 von Kiel nach Basel in Düsseldorf (OK, da waren auch nur Kleidungsstücke drin). Und dann dieses verdächtige Päckchen in der sachsen-anhaltinischen Metropole Köthen (Anhalt), einem der bedeutendsten und lohnenswertesten Terrorziele nach dem Reichstag, dem Frankfurter Flughafen und dem Deutschen Museum. Die Welt berichtet auch noch über eine Druckerpatrone in Berliner Goethestraße (na, das hört sich doch wenigstens schon mal nach Munition an!!).
Bei so vielen gefährlichen Gegenständen soll man sich noch aus dem Hause wagen? Ich weiß noch gar nicht, wie ich meinem Arbeitgeber am Montag erklären soll, dass ich mich nicht mehr in die S-Bahn traue. Die hält ja immerhin im Münchner Hauptbahnhof. Und die Wahrscheinlichkeit, den lebend zu betreten UND auch wieder zu verlassen, schrumpft ja wohl von Minute zu Minute. Und dann geht's ja auch noch mit der U-Bahn weiter!!!
Immerhin nähert sich das Ende... Ok, das Ende des Monats. Glücklicherweise sollen die Attentate ja bis Ende November über die Bühne sein. Ich freu mich schon auf den Dezember.
Aber lasst mich noch eines loswerden: An alle, die mich kannten (falls es mich vorzeitig erwischt): Ich hab Euch alle mehr oder weniger gemocht.
Achso, stimmt, da war noch was. Mit der Vorratsdatenspeicherung würden wir uns all diesen Gefahren natürlich nicht ausgesetzt sehen. Dann wüssten nämlich unsere Sicherheitsbehörden gewissermaßen schon im Voraus, wer Realtest-Koffer in Namibia ins Spiel bringt oder wer Päckchen an Imbissbuden deponiert. (Obwohl ich das mit dem Windhoek-Koffer ja eher auf mal wieder mangelhafte Kommunikation zwischen unseren vielen Sicherheitsbehörden zurückführen würde ... oder auf eine wohl dosierte Blindheit auf einem bestimmten Auge).
[Update: 19.11.2010 21:11]
Laut heute.de wurde die Windhoeker Kofferbombe von der heute 80jährigen Oma eines Larry Copello aus Kalifornien gebaut, der unter anderem vor allem für US-Behörden Realtest-Koffer bastelt. WAY TO GO, GRANMA!
Ich wurde heute - wie viele, viele, viele andere auch - mal wieder abgemahnt wegen Filesharings. Sowas passiert einem ja immer mal wieder, ist ja eher alltäglich. Dabei hätte ich die Abmahnung fast übersehen, weil sie wie die meisten anderen im Spamfolder gelandet ist. Und wenn man sich die Mail mal genauer anschaut, verwundert es einen auch nicht sonderlich.
Abmahnung von Fachkollege Giese
Es ist ja weitläufig bekannt, dass es Abmahnanwälten in Deutschland nicht sonderlich gut geht. Ein Grund mehr, sich eine Domain bei einem billigen Anbieter in den Niederlanden zu holen und die Nameserver nach Russland zu verlagern, weil die dort wahrscheinlich günstiger, besser betreut und leichter erreichbar sind.
Und weil man's als Abmahnanwalt so schwer hat, muss man schon verdammt früh aufstehen, um sein Tagessoll überhaupt erfüllen zu können. Und weil E-Mails auch so teuer geworden sind, verschickt man die Abmahnungen einfach direkt gleich mehreren Leute auf einmal. Dabei kann ich mich gar nicht erinnern, meine IP mit anderen Leuten geteilt zu haben, noch dazu, da ich gar kein Telekom-Kunde bin. Der Tatzeitpunkt ist auch von vernachlässigbarer Relevanz und wurde deshalb direkt weggelassen ... oder eingespart.
Zumindest bieten sie heute flexible moderne Zahlungsmöglichkeiten an, leider nichts für den etwas konservativ veranlagten Urheberrechtsverletzer. Aber man kann ja nicht alles haben.
Ein Teil der Piraten-Mannschaft (m/w) an der Bayrischen Staatskanzlei
Ich komme gerade heim von der Anti-Atom-Bayern-Demo in München. Zur Info für die, die damit nicht direkt etwas anfangen können: Es geht dabei darum, die Kehrtwende der Bundesregierung beim Ausstieg aus der Atomenergie und die Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke zu verhindern. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, die Bundesregierung habe sich von der Atomenergie-Lobby kaufen lassen.
Bei der Hinfahrt mit der S- und U-Bahn kamen mit die Züge schon verdächtig voll vor. Mir gegenüber saß eine etwas ältere Frau und las interessiert in der Abendzeitung. Die hatte heute auch eine passende Schlagzeile zum Thema. "Wir machen mit!"
Etwas später, als ich an der Bayrischen Staatskanzlei eintraf und weitere Piraten suchte, wurde ich recht schnell fündig. Aber zunächst waren wir nur zu viert, was uns natürlich etwas verwunderte. Aber recht bald tauchten am Horizont diverse große Piraten-Fahnen auf, zu denen wir uns dann gesellten, und siehe da, es kam doch eine ansehnliche Mannschaft (m/w) zustande.
Fertigmachen zum Marsch zum Odeonsplatz
Piraten bereit zum Ablegen Richtung Odeonsplatz
Nachdem sich die meisten Beteiligten an der kleinen Bühne an der Staatskanzlei entsprechend eingestimmt hatten, die Linke netterweise Brezn verteilt hatte (auch an uns Piraten), setzte sich der Großteil der Leute lautstark skandierend, klatschend und trillerpfeifend bei strahlendem Sonnenschein in Richtung Odeonsplatz in Bewegung, zunächst über den Karl-Scharnagl-Ring. Wir hatten erst Befürchtungen, die für eine Länge von 10 km geplante Menschenkette könnte Lücken aufweisen, aber in den Bereichen der Demo, in denen ich mich aufgehalten habe, hätte man die Menschenkette mindestens dreireihig, meist aber problemlos fünf- bis zehnreihig machen können. Ich denke, damit wurde das Ziel der 10km-Menschenkette mit Leichtigkeit erfüllt.
ich habe gerade Besuch aus Aachen. Sie will mal wieder auf die Wiesn. Dem sollte nichts im Wege stehen, ich hab je genug Platz und 'ne breite Schlafcouch.
Also ging's heute raus, ab mit der S3 bis zur Hackerbrücke und dann ins Hacker-Pschorr Bräuhaus, da ihre Freundin, die wir dort treffen sollten, schon hatte durchblicken lassen, dass die Zelte auf der Wiesn alle schon zu sind. Das ist auch wenig verwunderlich, wenn man bedenkt, dass es hier gerade mal 13°C hat und es vor sich hin nieselt. Nichtsdestotrotz war der Strom der Menschen auf die Theresienwiese eher normal als dünn.
Dann saßen wir da am Tisch, den ihre Freundin freigekämpft hatte, neben zwei etwas "festeren" Maderln in Dirndln, deren Blicke schon leicht glasig waren, und ließen es uns gut geht bei Brathendl, Riesenschnitzel und einer Maß, die im Hacker-Pschorr Bräuhaus übrigens im ¾l ausgeliefert wird (sicher eine wohltätige Schutzmaßnahme gegen übermäßigen Alkoholmissbrauch). Soweit war's ja ganz nett.
Aber: Italien muss relativ menschenleer sein, denn - wen würde es verwundern, es ist immerhin italienische Woche auf der Wiesn - die vorherrschende Sprache ist ein etwas verwaschenes, genuscheltes Italienisch.
An unserem Nachbartisch machten ein paar 16jährige ihre ersten bösen Erfahrungen mit Alkohol. Ein besonders "beschwingter" Bua hielt es dann noch für eine gute Idee, mich mit Bierschaum anzuspucken, was er schon - seine Freundin weitaus weniger - lustig fand. Gut, es war nicht weiter schlimm, kein wahrer Grund, den Watschenbaum umfallen zu lassen. Ich kann aber eine gewisse Genugtuung nicht leugnen, als besagter Jüngling, beim Versuch, "heimlich" eine Zigarette am Tisch zu rauchen, direkt von der Security im wahrsten Sinne des Wortes am Ohrwaschl aus dem Schankraum gezerrt und mit einer Watschn rausgeschmissen wurde, als er meinte, sich dem Schrank von Security-Mann zur Wehr setzen zu müssen. Seinem Kumpel erging's beinahe genauso, als er meinte, sich einmischen zu müssen. Der hatte sich dann aber nach einer sehr direkten Ansage ("Host Du a Mami?") eines Besseren besonnen. Fraglich ist, ob er seinen Rausch nun an der frischen Luft oder auf dem Heimweg auspennt. Mich wurmt nur etwas, dass der Akku meines Galaxy S so gut wie leer war und ich das Geschehen nicht fotodokumentieren konnte.
Interessant fand ich auch, wie lebhaft so der eine oder andere Tisch schon gegen 14:30 Uhr meinte, zur der einen oder anderen Maß Festbier gehörten auch zwingend zwei bis drei Kräuterliköre. Bei einer Sache bin ich mir dahingehend sicher: Das Erbrechen gegen 19 Uhr fällt nach den Magenbittern sicher viel leichter. Über den Haarspitzenkatarrh morgenfrüh will ich besser gar nicht nachdenken.
Auf meinem Weg zurück zur bzw. über die Hackerbrücke fand ich noch zweierlei erstaunlich. Zum einen war das Polizeiaufgebot am S-Bahnhof Hackerbrücke verblüffend groß, ich würde von ca. 20 Beamten ausgehen, mal abgesehen von weiteren 10-12 Ordnern der DB-Sicherheit unmittelbar an den Bahnsteigen. Zu anderen fand ich's ziemlich cool, dass die Polizei über ihren Lautsprecherwagen aktuelle Wiesn- und Fußball-WM-Hits gespielt hat. Die Tonqualität war dabei überraschend gut, ebenso die Stimmung der Leute, die vorbeiliefen.
Quintessenz: Ich werde zu alt für den Sch3!§§ und/oder definiere Spaß einfach etwas anders.