Mit der Katastrophe bei der Loveparade 2010 in Duisburg, bei der 19 21 Menschen starben und 342 511 Menschen (ca. 40 davon schwer) verletzt wurden (Aussage vom stellvertretenden Polizeipräsidenten Detlef von Schmeling bei der Pressekonferenz heute gegen 12 Uhr) tun sich mir verschiedenste menschliche Abgründe auf. In Summe ist das alles sehr ernüchternd, wenn nicht sogar erschreckend.
Ahnungslosigkeit und Hilflosigkeit der Verantwortlichen
Während der Pressekonferenz sollten vier Verantwortliche der Presse Rede und Antwort stehen, nämlich der Leiter des städtischen Krisenstabs Wolfgang Rabe, der stellvertretende Polizeipräsident von Duisburg Detlef von Schmeling, der Veranstalter der Love Parade 2010 Rainer Schaller (sowie dessen Pressesprecher) und der Oberbürgermeister von Duisburg, Adolf Sauerland1. Auch wenn verständlich ist, dass sie zum Teil noch nicht ausreichende Informationen zum Unglück präsent hatten, konnten viele Fragen der Journalisten zu Punkten der Planung nicht beantwortet werden, so z. B.:
"Für wie viele Menschen war das Festgelände überhaupt ausgelegt?" (Laut Spiegel Online war das Partygelände nur für 250.000 Menschen zugelassen.)
"Wie viele Menschen waren wirklich vor Ort?" (Die Medien sprechen immer wieder von ca. 1,4 Mio. Menschen, von Schmeling nannte als einzige belastbare Zahl die von der Deutschen Bahn gelieferte Zahl von 105.000 Menschen, die mit der Bahn und/oder dem ÖPNV angereist waren2.
"Wie kam man zu dem Schluss, der Tunnel (ca. 16 m breit und wohl etwas über 120 m lang) wäre als einziger Zu- und Abgang zum Festgelände ausreichend?" (Im Tunnel selbst gab es keine Richtungskontrolle des Personenflusses und er war auch nicht aktiv belüftet, soweit man das aus dem Bildmaterial erkennen kann)
"Warum wurde der Zulauf auf das Festgelände zum Zeitpunkt des Unglücks nicht sofort gesperrt, so dass weiterhin Menschen auf die Unglücksstelle zuströmen konnten?"
Ernüchternd war vor allem, dass sich die Befragten zu den meisten Fragen nicht äußerten und sich stets auf die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen beriefen, die seit heute Vormittag im Gange sind. Ganz besonders erstaunlich erschienen mir die "Aha"-Effekte in den Gesichtern des einen oder anderen Befragten bei Fragen durch die Journalisten zu sehr offensichtlichen Gefahren- oder Brennpunkten bei der Planung der Veranstaltung (z. B. "Wie bekomme ich besagte 1,4 Mio. Menschen durch einen 16m breiten und 120m langen Tunnel?", eine rein mathematische Frage3).
Verwunderlich ist auch, dass unbezweifelt viele Planungsfehler begangen wurden, obwohl so viele Ämter und Gutachter (Ordnungsamt, Polizei, Rettungsdienste, Lopavent GmbH, Sachverständiger für die Dynamik von Menschenmengen Prof. Dr. Michael Schreckenberg von der Uni Duisburg) an der Planung beteiligt waren. Bedenklich sind auch viele Hinweise von einigen ortskundigen Leuten schon einige Tage vor der Loveparade, die gerade diesen Tunnel schon in diversen Internet-Medien (Foren z. B. Kommentar #18, Twitter) als "Falle" eingeschätzt hatten.
Ich denke, der Polizei vor Ort kann man keine Vorwürfe machen, die hat laut von Schmeling während des gesamten Verlaufs die Menschenströme kanalisiert, wie es die Planung wohl vorgegeben hatte. Aber es bleibt zu ergründen, wer für das Unglück verantwortlich ist und warum in Deutschland im 21. Jahrhundert mit all unseren Möglichkeiten dennoch solch ein Unglück geschehen kann. Ob man jedoch der Führung der Polizei Vorwürfe machen sollte, bleibt dahingestellt, denn wie Spiegel Online heute auch weiter berichtete, ließ die Bundespolizei wohl "inzwischen sämtliche Unterlagen zur Love Parade - Einsatzbefehle, Lagemeldungen, Karten - von den Computern der Beamten sowie aus deren E-Mail-Accounts" löschen.
Sehr viele Besucher der Loveparade und natürlich auch die TV-Sender haben sehr viel Bildmaterial ins Netz gestellt, auf youtube und den Webpräsenzen der Sender finden sich zahllose Videos zum Unglück. Wenn man sich dann aber mal die Kommentare zu den Videos anschaut, packt einen zum Teil das kalte Grauen.
Ermutigend ist zugegebenerweise die große Anteilnahme und der Ausdruck von Mitgefühl vieler Kommentatoren. Erschreckend sind aber auch unterschiedlichste Stilblüten. Die einen geben den Opfern selbst die Schuld am Unglück, andere sprechen von "der Strafe Gottes" (klar, jedem religiösen Fundamentalisten war die Loveparade sicher ein Dorn im Auge), wieder andere beschimpfen andere Kommentatoren mit "Du Opfa" und schlimmerem. Diese Kommentare bieten einen erschreckenden Einblick in die Gefühlswelt und das Bildungsniveau dieser Leute. Während sich die eher mitfühlenden Kommentare meist gerade noch lesen und verstehen lassen, muss man sich bei den diffamierenden Kommentaren schon sehr viel Mühe geben. Hier zeigt sich eine bedenkliche Verrohung und ein ebenso bedenklicher Mangel an Erziehung und Bildung. Man stellt sich die Frage, ob man mit Menschen solchen Schlages wirklich zusammenleben will und welche Wege unsere Gesellschaft, (insbesondere die Eltern und im Anschluss daran auch die Schulen) einschlagen muss, um solche Menschen wieder zu sozialen Menschen werden zu lassen. Zu Menschen mit Werten, Respekt und Toleranz anderen gegenüber.
Mir fehlen weitere Worte - Kommentare sind willkommen.
yalla hat'nen verrückten Artikel gefunden und darüber gebloggt. Wenn man das liest, wird man erneut darin bestärkt, an der Menschheit zu zweifeln.
In wenigen Worten: Einige überlebende Bürger der Stadt L'Aquila, dass in 2009 von einem sehr schweren Erdbeben dem Erdbogen (sag das doch gleich, Kai) Erdboden gleich gemacht worden ist, werfen sieben Wissenschaftlern des italienischen Zivilschutzes vor, sie nicht rechtzeitig vor dem Erdbeben gewarnt zu haben.
So traurig das Schicksal von L'Aquila auch sein mag, bleibt mir diese Klage unverständlich. Ich mag ja nicht auf dem aktuellsten seismologischen Wissenstand sein, aber soweit ich im Bilde bin, gibt es noch immer keine Methode, Erdbeben auch nur annähernd vorauszusagen. Die Seismologie beschränkt sich weiterhin auf die Analyse von vergangenen, aufgezeichneten Erdbeben und versucht, daraus Methoden für die Voraussage von Erdbeben zu erarbeiten.
Zu besagter Klage fallen mir direkt einige kaum weniger verrückte Vergleich ein:
Man verklage Niels Bohr und Albert Einstein, weil sie die Bevölkerung von Hiroshima und Nagasaki nicht über den bevorstehenden Nuklearschlag informierten.
Man verklage Sir Isaac Newton, denn der hat ja bekanntlich die Gravitation "erfunden", ohne die die Atombomben gar nicht auf Hiroshima und Nagasaki hätten herabFALLEN können.
Man verklage die führenden Statistikprofessoren, weil die mir auch in der letzten Woche mal wieder nicht die Lottozahlen der Samstagsziehung vorausgesagt haben. Ich glaube, sowas nennt man dann Nutzentgang.
Und dann war da noch Edmond Halley, den man für die Ausrottung der Dinosaurier verantwortlich machen könnte
Und wieder einmal hat sich da ein - sich zumindest selbst so titulierender - "Journalist" durch die Qualitätssicherung von welt.de geschlichen. Ein gewisser Robin Alexander, der sich - betrachtet man die Güte seines Kommentars - gerade in den ersten zwei Wochen seines Volontariats zu befinden scheint, meinte, er müsse sich ein Urteil über die Piratenpartei Deutschlands machen und diese Meinung verbreiten. Mir wäre aber neu, dass die Redaktion von welt.de Kommentare nun von Volontären schreiben lässt, ich dachte, Kommentare kämen eher aus der Feder erfahrener Redakteure. Aber man lernt ja nie aus.
Das polemische, dennoch inhaltlich sehr dünne Pamphlet strotzt von Unwissen und Desinformation und beweist, dass sich der Autor wohl kaum mehr als drei Minuten für die Recherche gegeben hat. Wahrscheinlich war dies aber eine Recherche im Print-Archiv ohne Zuhilfenahme von elektronischen Hilfsmitteln, sonst wäre diese sicher anders ausgefallen.
Nun wollen wir diesen Kommentar mal etwas zerpflücken.
Bisher ging ich - vielleicht doch recht naiv - davon aus, dass die Grünen an sich zu den progressiveren, weltoffeneren und liberaleren Parteien gehörten, aber der Fraktionsvorsitzender der Grünen in der Bremischen Bürgerschaft, Matthias Güldner, hat sich als merkbefreit qualifiziert.
Ich frage mich wirklich, wie es ein Fraktionsvorsitzender schaffen kann, sich so lang vor dem aktuellen Geschehen in den Medien verstecken kann, dass er nicht mitbekommt, worum es der Netcommunity und den neuen, politisch Aktiven geht, wenn sie u. a. gegen Internetsperren stimmen und sich für die Erhaltung bzw. Wiederherstellung der Bürgerrechte einsetzt.
Dr. Güldner hat seiner Homepage und auf Welt.de sein Herz ausgeschüttet, wie er über die Internet-Gemeinschaft denkt ... und lässt dabei kein gutes Haar an uns. Dabei ist der Mann noch gar nicht alt. Aber mein Vorschlag wäre: Herr Güldner, lassen Sie sich einsargen, Sie kriegen von der Welt um Sie herum nicht mehr genug mit, um mitreden zu können.
Vielleicht sollten Sie sich ein Abo einer überregionalen Zeitung leisten, sowas hält einen tatsächlich ein Stück weit auf dem Laufenden. Oder Sie fragen einen Kollegen, ob er Ihnen seine Zeitung leiht, wenn er sie ausgelesen hat.
Und falls Sie sich unter Twitter nicht wirklich etwas vorstellen können, schauen Sie sich doch mal an, was Ihre Partei so twittert, bevor Sie die Netcommunity derart beschimpfen.
Wer sich für die Aufrechterhaltung bzw. die Wiedererlangung seiner Bürger- und Grundrechte interessiert, sollte mal darüber nachdenken, bei den nächsten Wahlen seine Stimme nicht unbedingt einer der "etablierten Volksparteien" (VOLKSparteien??) zu geben, sondern die Augen auch mal für eine Alternative offenzuhalten.
Also, wenn ich 'ne Web 2.0-Applikation bauen würde, die sich einige Phantastillionen Internetnutzer prinzipiell anschauen können (falls die Seite nicht vorher schon auf der Sperrliste gelandet ist), würde ich mir schon die Mühe machen, die peinlichsten Fehler auszumerzen, bevor das Geraffel online geht. Aber vielleicht bin ich ja auch etwas anders als die anderen.
Ich meine, sollte es nicht heißen: "Wer fliest in Deinen Adern?". Und was will man mit Fliesen in den Adern?
Und woher sollen wir wissen, was in "dier" wirkt? Und wer ist diese(r) "dier" überhaupt und wen interessiert das?
Also, ich hätte mir ja einen Lektor geleistet, der mal über das Geschreibsel schaut, bevor ich mich zum Trottel im deutschsprachigen Raum machen würde.
Die Debatte um die Internetsperren gegen Kinderpornographie, die in Fachkreisen als völlig wirkungslos anerkannt sind, treibt die kuriosesten Stilblüten.
So disqualifiziert sich Dr. Dieter Wiefelspütz auf seinem Profil auf abgeordnetenwatch.de bei der Antwort auf eine Frage zu seiner Kompetenz im Bereich IT und Internet. Bei solchen Antworten fragt man sich, wie konnte der Mann bisher bestehen? Dabei hatte ich ihn in Datenschutzfragen eigentlich immer recht positiv in Erinnerung.
Mir ist ja klar, dass man auch als MdB nicht kompetent in ALLEN Fragen des Lebens sein kann. Es kann aber doch nicht sein, dass den Bundestagsabgeordneten keine Berater zur Seite stehen, die ihnen Fragen in Fachbereichen beantworten können, die nicht in ihr Kompetenzfeld fallen. ... Oder etwa doch??